Interview mit "Die Schröders"

Freitag, 7. März 2008

Konzert-Junkies: Wann und wie hat es mit den Schröders angefangen?

Burger: 1989. Hämpy und ich hatten einen gemeinsamen Freund, der uns zusammen gebracht hat, weil Hämpy eine Gitarre zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Ich suchte jemanden, mit dem ich zusammen etwas rumspielen kann. Wir waren vorher schon lose befreundet und haben dann zusammen Musik gemacht – bei ihm im Kinderzimmer – bis die Bullen immer kamen.

Hämpy: In meinem Kinderzimmer - das hört sich an, als ob ich mit Puppen gespielt habe.

Burger: Wieso hätte - ich sag das gerne: Ich hatte auch ein Kinderzimmer zu Hause.

Hämpy: In meinem Wohnbereichs-Zimmer.

Burger: Ich hab immer noch den Geruch... (Lautes Lachen von Hämpy) - so ein bisschen kellermäßig. Ich hab zu der Zeit in Hannover gelernt und dann da jemanden wieder getroffen, den ich aus der Disco kannte. Er fragte: "Wie läuft es denn so?" Und ich sagte, "ich spiele jetzt in einer fetten Band - die krasseste Punkrockband von ganz Bad Gandersheim." Wir konnten noch kein Lied. Und dann fragte ich - das weiß ich noch ganz genau: "Und was machst du so?" Er holte seinen Kettenanhänger raus, das war eine Gibson. Und ich fragte ihn: "Ja - was, baust du Gitarren?" "Nein," antwortete er, "ich bin Musikmanager." Er managt die erfolgreichste Punkrockband von Alfeld. Und er hat uns dann gefragt, ob wir nicht Vorband von denen machen wollen. Und dann haben wir uns schnell Lieder ausgedacht, haben uns die Haare gefärbt, haben einen Kumpel belabert, dass er sich einen Drum-Computer kauft und haben zu zweit Gitarre gespielt und dazu der Drum-Computer und haben fünf Lieder gespielt.

O-Lee: Dafür waren wir aber sehr schnell sehr tight.

Burger: Wir haben dann zwei Jahre lang fast jeden Tag geprobt, immer mit Drum-Computer. Das ist natürlich gutes Training.

Hämpy: Bis heute - Heute haben wir einen menschlichen Drum-Computer.

Burger: Wir könnten auch nicht mit jemanden, der nicht richtig geil Schlagzeug spielen kann, zusammen spielen, weil wir es gar nicht gewöhnt wären. Deshalb arbeiten wir nur mit der Creme de la Creme.

K.-J.: Es gab ja einige Wechsel bei den Bandmitgliedern, ihr wart ja in dieser Konstellation nicht immer zusammen. Warum sind frühere Mitglieder gegangen und seit wann spielt ihr in der jetzigen Besetzung?

Burger: Es gab immer verschiedene Gründe, warum die gegangen sind. Ich bin meistens Schuld.

Hämpy: Das ist ganz klar, wenn du jahrelang aufeinander hängst, kommt es mal zu Differenzen und Problemen, das ist bei vielen Bands so.

Burger: Oder die haben was anderes vorgehabt.

Hämpy: Ja klar, viele haben das auf die Dauer auch nicht ausgehalten. Es ist ja auch schwer. Du kannst ja von der Musik nicht leben, du hast also auch komplett andere Jobs. Wenn du das einfach nicht mehr vereinbaren kannst, musst du entweder aufhören und deinen Job machen oder du bleibst bei uns. Das ist für einige sehr anstrengend gewesen.

Burger: Einer wollte eine Lehre machen…

Hämpy (lacht): Einer war ein Arschloch.

Burger: Einer wollte gerne das Schlagzeugspielen an den Nagel hängen und Easy Listening-Platten auflegen, einer war ein Arschloch und einer ist irgendwann nicht mehr gekommen.

Hämpy: Das war wirklich so. Man kann sich auch auseinander leben, das passiert eben.

K.-J.: O-Lee und Sascha sind ja die neuesten Mitglieder, auch schon seit vielen Jahren. Seit wann seid ihr denn schon dabei?

Sascha: Ich bin seit Ende 1997 dabei. Also auch schon ganz schön lang.

O-Lee: Ganz schön lang schon neu.

K.-J.: Wie habt ihr euch gefunden? Du kommst ja aus Frankfurt, das ist auch nicht gerade um die Ecke vom Harz.

Sascha: Weil ich halt so laut bin. (Gelächter)

Burger: Wir hatten einen gemeinsamen Freund, sein Vorgänger, der Maya, kannte jemanden, den Bertil, der so überall so seine Ohren hatte und der hat ihn dann vermittelt. Wir haben uns den Luxus erlaubt, weil wir damals sehr erfolgreich waren, ein Casting zu machen. An einem Tag haben wir im Halben-Stunden-Rhythmus fünf Schlagzeuger ausprobiert. Und zum Schluss waren es zwei, die uns gefallen haben und Sascha war der, der den besten Eindruck gemacht hat. Er hat halt noch mal doppelt so laut gespielt als der andere. Das war voll krass, er konnte jedes unserer Lieder spielen. Die anderen haben sich zwei, drei Lieder drauf geschafft, er konnte einfach jedes!

Sascha: Ich weiß auch nicht, das ist bis heute bei mir so. Ich hör mir irgendwas an, dann kann ich das einfach, dann habe ich den Ablauf einfach drin. So kam das halt zustande. Es kam halt auch noch dazu, dass ich vorher auch schon in einer ähnlichen Band gespielt habe, die Musik war mir auch nicht so fremd. Bei den anderen war es anders, die kamen aus anderen Musikrichtungen.

Hämpy: Teilweise kannten wir die anderen auch schon und waren total enttäuscht, dass die das nicht spielen konnten.

Sascha: Und bei dir, O-Lee?

O-Lee: Ich wurde schon mal als Tour-Gitarrist angeheuert, weil der andere Gitarrist nicht konnte – vor ewiger Zeit - 1995 oder so. Das hab ich gemacht und dann haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren. Und irgendwann ist das Arschloch dann ausgestiegen und ich bin dazu gekommen.

K.-J.: Weil du nicht nur Gitarre, sondern auch Bass spielen kannst...

O-Lee: Genau, ich hatte zu der Zeit eigentlich vor, bei einer bekannten Hard-Rock-Band aus dem Ruhrpott einzusteigen. Ich hatte auch gerade mein Bein gebrochen, das weiß ich noch. Ich war gerade im Ruhrpott, hab bei denen gerade vorgespielt und dann hast du (zu Burger) mich angerufen...

Burger: Wir haben dich in der Disco besucht.

O-Lee: Nee, das hab ich da doch schon gar nicht mehr gemacht.

Burger: Ich weiß noch, er hat so mit Fliege und Jackett in einer Nobeldiskothek gearbeitet. Da sind Hämpy und ich hin und haben ihn besucht, um ihn zu betüddeln: Och, mach doch mit.

O-Lee: Nee, das war noch als Gitarrist – das Management hat aber gesagt, Vipo sieht besser aus, weil er Linkshänder ist und es besser passt. So war das damals. Jedenfalls hab ich da im Ruhrpott vorgespielt und dann ist der andere Bassist bei den Schröders von jetzt auf gleich ausgestiegen und die haben mich gefragt. Ich hab gesagt, okay, ich mach das, aber auch nur, wenn ihr sagt, ich mach das. Ich hab keinen Bock zum vorspielen, denn ich kann das. Und wenn das okay ist, dann ja. Und das war es dann auch. Wir haben das einmal probiert und es war gut.

Burger: Bass spielen ist nun nicht etwas, zu dem man geboren sein muss. Wenn man Gitarre spielen kann, kann man meistens auch ganz geil Bass spielen, finde ich.

O-Lee: Es ist halt anders, ganz anders. Ich mach das aber halt gerne.

K.-J.: Wie seht ihr eure musikalische Entwicklung vom Anfang bis zum neuesten Album "Endlich 18"?

Hämpy: Eigentlich klingt das letzte Album so, wie wir immer klingen wollten. Das haben wir leider auf vielen Alben nicht geschafft, haben auch viele kreative Pausen gemacht. Aber im Prinzip haben wir auf dem letzten Album verwirklichen können, dass wir dreckig klingen, so wie es live ist.

O-Lee: Die Entwicklung ist glaub ich, die gewesen, dass immer weniger Leute rein geredet haben.

Burger: Ja, wir hatten von Anfang an immer ziemlich große Plattenfirmen und da ist es halt so, dass man sehr wenig selber zu bestimmen und zu sagen hat. Am Anfang macht man das alles noch irgendwie mit, weil man denkt, sonst ist es mit der Karriere vorbei, wenn wir das nicht machen.

O-Lee: Dabei ist es genau andersrum.

Burger: Ja, jetzt wissen wir, dass es andersrum ist und haben jetzt eigentlich die erste Platte wirklich selbst gemacht – selbst organisiert, selbst überlegt, mit wem wir arbeiten wollen und die Leute haben sich um uns auch nicht mehr gerissen sondern wir mussten mal überlegen, wer so zu uns passt und haben mit dem Produzenten, der das gemacht hat, einen gefunden, der nicht ganz auf der selben Welle ist, der etwas ernsthafter an die Sache ran geht als wir selber. Also, wie ich am Songwriting herangehe, er ist halt etwas ernsthafter und diese Mischung hat es dann gemacht. O-Lee hat ja auch ein Studio und irgendwie war mir z. B. wichtig, dass wir nicht zu dicht an der Heimatstadt aufnehmen, damit nicht jeder gleich in seinen Alltag zurückkehrt, sondern dass man dann da übernachtet und irgendwie im Thema bleibt. Deshalb haben wir uns das Studio gesucht und der Typ, der das dann aufgenommen hat, hat auch noch nicht so die Riesen-Erfahrung. Wir sind die erfolgreichste Band, die er bisher aufgenommen hat und ich glaube auch, dass wir inzwischen schon mehr Platten verkauft haben, als er mit jemand anders verkauft hat. Ich finde, das ist echt gut geworden.

O-Lee: Das ist wirklich gut geworden, aber das Studio war echt Scheiße, weil das ein Nichtraucher-Studio war.

Sascha: Dadurch sind wir aber schneller fertig geworden, die Aufnahmen waren ziemlich kurz.

Burger: Sonst sind wir zwei Monate im Studio gewesen, diesmal nur zehn Tage. Das mussten wir selber bezahlen. Früher haben wir uns das ja von den Plattenfirmen bezahlen lassen – z. B. mal eben zum Songschreiben zwei Wochen nach Dänemark fahren – einsames Haus mit Pool und Sauna. Das ist aber alles ausgefallen, weil wir es selbst bezahlen mussten.

K.-J.: Hattet ihr in der ganzen Zeit, wo ihr als Band zusammen seid, dauerhaft Live-Auftritte oder gab es auch eher mal Zeiten, wo ihr länger nicht auf der Bühne standet?

Burger: Also, gar nicht auf der Bühne, das gab es nicht, aber wenig auf der Bühne. In den letzten Jahren haben wir nicht viel gespielt.

O-Lee: So die letzten zwei Jahre, das lag aber daran, dass wir an der neuen CD gearbeitet haben und dann ist auch klar, dass man irgendwann die alten Sachen einfach nicht mehr spielen will und man sich dann ein bisschen rar macht, eben um ein bisschen dran zu arbeiten und dann halt wieder mehr zu spielen, was wir dieses Jahr wieder machen.

Burger: Du kriegst auch keine vernünftige Tour gebucht, wenn du kein aktuelles Produkt hast. Dann eben mit meiner Vaterschaft und die Band, in die ich einfach rein geschlittert bin und wo dann viel mehr passiert ist, als jeder vorher gedacht hätte. Da kann ich auch nicht einfach sagen: Das war jetzt ein Spaß und damit mach ich jetzt Schluss, das geht halt einfach nicht, weil es einfach zu krass geworden ist. Das wären dann vier Projekte bei mir: Familie, ich habe eine Firma und dann noch zwei Bands, das musste sich erst mal eingrooven. Und dann soll ich noch kreativ Songs schreiben, das ist alles sehr sehr sehr schwierig. Weil die anderen in der Band alle keine Songtexte schreiben...

O-Lee: (lachend) ...dürfen... (allgemeines Gelächter).

Burger: Ich hab von euch noch keinen Vorschlag bekommen.

K.-J.: Das passt zur nächsten Frage... wie entstehen bei euch Songs? Klare Arbeitsteilung oder Teamwork? Brainstorming, alle sitzen zusammen, jeder steuert etwas dazu bei?

O-Lee: Das haben wir schon so gemacht. Bei der letzten Platte haben wir das gemacht. Da haben wir uns zusammengesetzt und Texte teilweise zusammen geschrieben. Aber meistens ist es schon Jens.

Hämpy: Dann kommt Burger mit der akustischen Gitarre rein und hat eine Idee!

Burger: Und die anderen verrocken das dann, das klingt dann einfach danach nach uns. Manche Texte, die ich schreibe, passen einfach thematisch nicht oder haben zuviel Inhalt, so dass man zuviel zuhören muss – die landen dann auf Halde und finden jetzt auch Verwendung bei dem Liedermacher-Zeug. Diese Art von Songs, die ich für die Schröders immer geschrieben habe, das fällt mir im Moment echt ganz schön schwer. Aber in letzter Zeit sind mir wieder ein paar Sachen dafür eingefallen. Es scheint so langsam wiederzukehren – aber eine Zeit lang hatte ich da einen Stau.

Hämpy: Das Ding ist ja auch, man hat immer so das Gefühl, wir müssen eine neue Platte machen, aber je mehr du das Gefühl hast, wir müssen eine neue Platte machen, desto weniger kommt dabei raus. Daher haben wir eigentlich auch einen ziemlichen Befreiungsschlag damit gemacht für uns.

Burger: Vor allem, wenn man wenig spielt, dann muss man natürlich auch an Kohle kommen, jeder arbeitet, jeder macht etwas anderes, und natürlich beschäftigt man sich intensiv mit anderen Sachen und da gerät die Band ein wenig nach hinten – bei jedem von uns – so dass es auch keine so richtig treibende Kraft bei uns gab.

Sascha: Es war dann halt so, dass wir uns letztes Jahr richtig zusammengesetzt haben und gesagt haben: Jetzt geht es noch mal richtig los. Jetzt räumen wir noch mal ab.

K.-J.: Wenn ihr auf eure 18jährige Karriere zurückschaut – wie würdet ihr sie beschreiben? War alles kontinuierlich oder eher auf und ab?

Burger: Innerhalb der Band wie in einer Ehe, in einer Familie. Mal klappt es gut miteinander, mal klappt es beschissen miteinander, wie wahrscheinlich in den meisten Bands, die es gibt. Was das Publikum angeht oder was die Karriere angeht, hatten wir schon alles. Scheiße hatten wir schon und wir hatten auch schon Konzerte vor 40.000 Leuten. Die zwar nicht wegen uns da waren (allgemeines Gelächter), aber wir haben auch schon Zeiten mit Platinplatten und Platz 1 in den Charts hinter uns – wir haben aber auch schon Konzerte vor zwei zahlenden Gästen in München gespielt. Alles – aber die waren geil, die haben zum Schluss beide selber gesungen auf der Bühne.

K.-J.: Das empfindet ihr jetzt aber nicht als schlimm, dass es nicht tausenden sind, die zum Konzert kommen?

O-Lee: Das ist ja auch nach wir vor so, dass wir auch durchaus vor vielen Leuten spielen auf Festivals und da rocken wir auch immer das Haus. Es ist auch nicht so, dass man jetzt sagen kann, dass in den Clubs immer so megasuper viel Leute waren, das war immer so die Mitte. Es ist an vielen Orten auch so geblieben, würde ich sagen. Da hat man sich seine Fans erspielt, das ist alles super. Aber wenn es an Orte geht, wo man noch nie war –

Burger: Oder vor sieben Jahren das letzte Mal...

O-Lee: Genau, dann weiß das keiner mehr, da muss man wieder von vorn anfangen, das war uns aber auch klar.

Burger: Aber an der Menge der Leute kann man das Konzert nicht festmachen. Es gibt Scheiß-Konzerte, wo viele Leute sind und es gibt hammergeile Konzerte, wo wenig Leute sind. Es kommt immer darauf an, wie das Gegeneinander so passt. Wie die Leute reagieren, ob sie aufmerksam zuhören, ob sie Sachen merken oder ob sie mitgehen. Es ist ätzend, wenn z. B. das Publikum extrem mental gemischt ist. Wenn z. B. in der ersten Reihe zehn total Betrunkene stehen – oder nur zwei, das kann auch das Konzert kaputt machen. Das geilste Konzert ist schon, wenn alle auf einer Wellenlänge sind, wenn alle rocken wollen. Wenn die Leute vor der Bühne abgehen, dann geh ich ab wie ein Zäpfchen. Wenn nichts passiert, bin ich auch eher zurückhaltend. Ich will mal behaupten, spielerisch sind wir eigentlich immer gut, aber wir können natürlich noch ein bisschen mehr Energie versprühen, wenn wir wollen und wenn der Funken überspringt. Und das sind dann die geilen Konzerte, egal, wie viele Leute. Das ist halt ein Miteinander, und wenn die Leute nur konsumieren wollen, macht es keinen Spaß.

O-Lee: Ich persönlich mag die kleinen Konzerte auch lieber als die ganz großen, weil es viel persönlicher ist.

K.-J.: Passend dazu die nächste Frage. Spielt ihr lieber auf Festivals (Open Air) oder in Clubs?

O-Lee: Ich spiel lieber Riesen-Konzerte, wo viele Leute sind. Das find ich halt viel besser als kleine Konzerte (lacht).

Hämpy: Es gibt so ein paar Festivals, die wir schon so oft gespielt haben, die sind einfach supergeil. Dann gibt’s ein paar Festivals, die sind einfach Scheiße. Und dann gibt es Clubs, die sind supergeil. Man braucht einfach so eine gesunde Mischung. Es gibt auch Festivals, da kommst du dir vor, als wenn du in einem Club spielst. Taubertal-Festival ist z. B. so ein Ding. Da kommst du hin und wirst da abgefeiert, als wärst du der Superstar. Dann spielst du wieder in einem Club, wo 50 Leute da sind – aber beim Taubertal sind 15.000 Leute da. Dazwischen gibt es eigentlich keinen Vergleich.

O-Lee: Ich finde, es ist eigentlich leichter, auf einem großen Festival zu spielen, es ist leichter für die Band. Wenn du 10.000 Leute hast, musst du halt nicht alle kriegen. Wenn du nur 50 vor der Bühne hast, musst du sie alle kriegen, das finde ich schwerer und deswegen finde ich das besser. Das ist ehrlicher.

Sascha: Man spielt auch eher für sich auf einer größeren Bühne. Das ist in einem Club alles anders, weil die Leute direkt vor einem stehen. Du merkst halt richtig, ist das Konzert gut oder nicht gut. Auf einer großen Bühne bekommst du das gar nicht so mit, du spielst halt wie vor einem Fernseher. Da ist das Publikum und da sind halt wir auf der großen Bühne, da kriegst du das gar nicht so mit.

K.-J.: Ist es geplant, wieder eine umfassende Website der Schröders aufzubauen oder bleibt es bei der Light-Version plus MySpace-Account?

Burger: Wir haben das gemeinsam entschieden, weil unsere Seite nie so richtig aktuell war. Das ist nicht sehr befriedigend. Das einzige, was uns im Moment ein kleines bisschen fehlt, ist direktes Feedback. In MySpace werden die Kommentare oft nicht so direkt abgegeben wie in einem Gästebuch auf einer Web-Seite. Forum mochte ich nie so gerne, das fehlt mir jetzt nicht. Die Kommunikation, die Möglichkeit, mit den Leuten in Kontakt zu treten, ist jetzt besser geworden. Mehr wollen wir eigentlich nicht. Ich finde, dass es zu uns nicht passt, so ein brüderliches Verhältnis aufzubauen wie bei anderen Bands, z. B. den Monsters oder andere Bands, die super viel Wert drauf zu legen, Eins mit den Fans zu werden. Das ist bei uns irgendwie nicht so wirklich durchziehbar, weil wir auch nicht alles die absoluten Netz-Junkies sind. Ja, vielleicht schon ein bisschen, aber wir denken nicht jede Minute daran, uns drum zu kümmern. Deswegen beschränken wir uns auf das, was wir einfach für möglich und für nötig halten. Ich find das auch Stückweit cool.

Hämpy: Obwohl wir über MySpace sehr viel alte Schröders-Fans wieder gefunden, die früher auf Konzerten waren und das letzte Album, was die miterlebt haben, war GILP. Und dann haben die nie wieder was von den Schröders gehört.

K.-J.: Ja, das liest man bei den MySpace-Kommentaren häufiger: Ich dachte, euch gibt es gar nicht mehr. Das ist schon bemerkenswert.

Burger: Das ist natürlich für uns viel wertvoller. Es ist natürlich klar, dass es einen harten Kern gibt, der dann auch irgendwann ausschließlich nur noch auf der Website stattgefunden hat. Nur noch diese Posse von 20 Leuten hat sich im Gästebuch und im Forum ausgequatscht. Das ist ja eigentlich nicht das, was der Band im Endeffekt am meisten bringt. Und wir haben dann für uns entdeckt, dass MySpace am besten für uns ist.

O-Lee: Was natürlich nicht heißt, dass wir unsere Fans nicht mögen. Das hat damit gar nichts zu tun, es ist einfach pflegeleichter und in der heutigen Zeit macht es einfach meiner Meinung nach mehr Sinn.

Burger: Trotzdem waren wir nie eine Band, die so extrem den Fankontakt gehalten hat. Na gut, wir haben eine Zeit lang mal solche Treffen gemacht.

K.-J.: Das haben wir aber auch gelesen, dass es Fanclubtreffen gab und dass es seit vielen Jahren einen riesigen Fanclub gibt.

Burger: Der Fanclub war jetzt kein Fanclub, den wir so richtig am Leben gehalten haben, sondern das war eine Adressenliste. Die Leute haben Briefe von uns bekommen, Emails etc. Die Leute haben manchmal auch so ähnlich wie ein Street-Team funktioniert. Wir haben das schon vor Ewigkeiten gemacht, bevor es Street-Teams überhaupt gab. Die Leute haben dann Flyer usw. für uns verteilt. Das haben wir schon so gemacht. Zwei Fanclub-Treffen gab es, wo wir dann zusammen mit den Fans gezeltet haben, da war dann aber auch der harte Kern da. Das ist ja klar.

K.-J.: Welches waren bisher eure Konzert-Highlights? Gab es auch Desaster-Auftritte?

O-Lee: Zeltfest in der Eifel das war das schlimmste. Da waren ganz viele Leute, die es überhaupt gar nicht interessiert hat, ob wir spielen oder nicht.

Hämpy: Da hättest du auch eine CD auflegen können.

Burger: Da sind wir auch mit diesen Worten von der Bühne gegangen: Ach, legt doch lieber eine CD auf.

O-Lee: Das war sehr merkwürdig. Da haben wir ein oder zwei Jahre davor schon mal gespielt, das war super. Und danach war es so blöde, weil sich wirklich kein Mensch für uns interessiert hat – wirklich keiner.

Burger: Die sind da alle nur hingegangen, um sich zu treffen und zu saufen.

O-Lee: Ich hatte das Gefühl, wir haben da nur gestört. Das war ein doofes Ding und für mich auf jeden Fall das beschissenste Konzert.

Burger: Geile Konzerte gab es schon ziemlich viele. Da kann man sich nicht mehr so richtig dran erinnern. Ich erinnere mich meistens immer an etwas kleinere Konzerte, ich erinnere mich an eines der ersten Konzerte in Marburg, da hatte ich unfassbaren Spaß. Es gibt auch Clubs, wo wir immer gern spielen. Auch wenn wenig Leute kommen. Lübeck spielen wir immer, obwohl nicht viel los ist, es ist nie wirklich viel los, aber es ist einfach ein Laden, wo immer irgendwie so eine Aura ist.

O-Lee: Und in Hamburg ist es auch immer geil.

Burger: Und natürlich auch unsere Weihnachtskonzerte. Die spielen wir halt, seit es uns gibt. Und da ist es halt traditionell geil.

O-Lee: Toll war auch das erste Mal, wo wir in der Schweiz gespielt haben. Da haben wir auf einem Open Air gespielt und das war für mich eins der geilsten Konzerte überhaupt. Es war das erste Mal dort in der Schweiz, man wusste halt nicht – und das war einfach super. Alles super!

Burger: Und dann erinnere ich mich noch an einen fetten Gig, als wir das erste Mal zu viert gespielt haben auf dem Stadtfest in Göttingen – da haben wir gemerkt: Zu viert ist auch super.

O-Lee: Sogar noch geiler als zu fünft.

Sascha: Und auch das Konzert in Hamburg auf dem Hafengeburtstag - das war das allererste zu viert.

Hämpy: Ja, das war auch geil.

K.-J.: Könnt ihr sagen, ob ihr in eurer Zeit als Band von irgendwelchen Künstlern musikalisch beeinflusst wurdet oder ob alles auf dem eigenen Mist gewachsen ist.

Hämpy: Zu Anfangszeiten auf jeden Fall beeinflusst.

Burger: Am Anfang, klar. Bevor man dann selbst Musiker werden will, ist man ja eigentlich erst mal Konsument, und hat eine Art Musikrichtung, die man hört. Da hatten Hämpy und ich schon sehr viele Gemeinsamkeiten. Zu der Zeit gab’s so eine Fun-Punk-Welle in Deutschland. Da haben wir so was gehört wie Abstürzende Brieftauben, Frolics, Walter 11, Ludwig von 88, all solche Sachen, die Totte heute immer noch hört. Wir waren ja auch zuerst so funpunk-polkamäßig. Weil’s der Drum-Computer einfach so abgespielt hat, wenn man ihn eingeschaltet hat.

K.-J.: Was für Pläne gibt es für die Zukunft der Schröders?

Burger: Erstmal wollen wir jetzt das aktuelle Album vernünftig promoten, spielen jetzt diese Tour und im Sommer Festivals. Ich geh mal davon aus, dass wir dieses Jahr noch eine Tour spielen – und weiter haben wir noch nicht richtig nachgedacht.

K.-J.: Ihr habt drei Wünsche für die Band frei – welche wären das?

Hämpy: Mehr als dreißig Leute heute Abend (lacht).

O-Lee: Alkohol, Frauen und Rauchwaren. (alles lacht) Es wäre eigentlich schon ganz cool, wenn man ein bisschen den Status erreicht, den man eigentlich verdient hat. Meiner Meinung nach ist es ja ein bisschen so, dass man ein Geheimtipp ist. Ich finde das ein bisschen schade. Ich finde es auch nicht schlimm, das nicht. Aber die alten Säcke, die Ärzte und wie sie alle heißen, können langsam mal zurückstecken.

Burger: Das wäre schon mal ein Wunsch.

O-Lee: Ja, das wäre ein Wunsch, ein kleiner halt... ansonsten? Hm... ein Hund.

Burger: Eine Eisenbahn. (allgemeines Gelächter)

Hämpy: Ein Hotelzimmer mit Dusche.

K.-J.: Und nun die letzte Frage: Die Schröders in drei Worten.

Burger: Ui... Sex und Paul und paar aufs Maul (lacht).

Hämpy: Das sind mehr als drei.

Burger: Drei Worte? Toi Toi Toi.

K.-J.: Vielen Dank!

Die Schröders und wir