Pohlmann in Osnabrück (Rosenhof)

Dienstag, 27. März 2007 - Robert

Pohlmann im Rosenhof, hm, das ist eine Überlegung wert, dachte ich zuerst, als ich von dem Konzert in Osnabrück erfuhr. Das Album lag schon längst bei uns zu Hause, beim BuViSoCo spielte er dann DEN Song, eben diesen Song, der mich damals im Logo bei den Monsters so sehr begeistert hatte und nun nach 4 Monaten bei TV Total wieder auftauchte.

Nun stehen wir also pünktlich um 19 Uhr vor dem Einlass (natürlich habe ich nicht mehr lange überlegt und die Karten einfach gekauft...) und mein erster Gedanke: Aha, Pohlmann-Fans sind nicht das typische Rosenhof-Publikum, denn alle außer uns stehen vor der falschen Tür. ;-)
Etwas verspätet werden wir dann auch hereingebeten und ich ziehe noch kurz in Erwägung, mich an einen der Stehtische zu stellen, aber ich wäre kein echter Konzert-Junkie, wenn es mich nicht trotzdem wie immer in die erste Reihe zieht. Da isses sowieso schöner. Und schnell füllt es sich dort, der Bühnenrand ist schon nach wenigen Minuten mit erstaunlich gemischtem Publikum bedeckt. Danach bietet sich zunächst das schon gewohnte Bild, der Rest des Publikums sammelt sich hinten im Raum, an der Theke und an den Tischen.

Doch schon bei den ersten Klängen des heutigen Supports James Kakande und Gabriel Gordon ändert sich das schlagartig und ich sehe den Rosenhof zum ersten Mal richtig gut gefüllt. In der Besetzung E-Gitarre und Akustik-Gitarre bieten die beiden symphatischen Musiker sehr schöne soulige Songs, in denen sich zu meiner Freude auch einige Reggae/Ska-Einflüsse finden. Alles in allem eine wirklich sehr gut gewählte Vorband, die auch bei dem Rest des Publikums sehr gut ankommt, was sicher auch nicht zuletzte daran liegt, dass James Kakande immer wieder versucht, vieles auf Deutsch zu sagen, wodurch er viele Symphatie-Punkte sammelt.
Natürlich stellt James auch seine aktuelle Single „You you you“ vor, doch mein Favorit an diesem Abend ist „Sometimes“, hier darf sogar das Publikum mal ran und so richtig schön mitsingen. Nach einer halben Stunde ist dann auch leider schon wieder Schluss, und auch wenn die beiden noch eine Zugabe spielen dürfen, hätte ich gern noch ein bißchen mehr gehört.

Wiederum eine halbe Stunde später betritt dann Pohlmann die Bühne und stellt erstmal fest, dass er ja normalerweise nicht so große Locations spielt und sich freut, dass so viele gekommen sind. Er beginnt mit „Zwischen Heimweh und Fernsucht“ und hat mich mit den ersten Zeilen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich vorher mit dem Album nicht 100% warm geworden bin, doch das sollte sich nun heute Abend ändern. Ich habe noch nicht viele Künstler gesehen, die auf der Bühne so eine fantastische Austrahlung haben und denen man auch anmerkt, dass sie ihre Songs wirklich leben. Auch Pohlmanns Stimme gefällt mir live sehr gut, ruhige aber auch kraftvolle Parts werden auf sehr schöne Weise interpretiert. Musikalisch geht es weiter mit „Das Leben ist“, ein sehr nachdenklicher Song, der mir schon auf dem Album aufgefallen ist.
Aber auch die offene Art des gebürtigen Westfalen kommt in Osnabrück sehr gut an, immer wieder werden Songs mit kleinen Anekdoten oder persönlichen Gedanken angekündigt. Durch diese Erklärungen erschließen sich mir auch einige Songs besser und geben jedesmal ein kleines Stück von Pohlmann preis.
Natürlich fehlt aber auch sein Hit „Wenn jetzt Sommer wär“ nicht und animiert die Osnabrücker zu lautem Mitsingen.
Es folgen weitere Songs vom aktuellen Album und ich muss wirklich sagen, live dargeboten gefallen sie mir alle. Sogar „Cyborg“, das hier in sehr rockiger Variante dargeboten wird und richtig nach vorn geht.
Aber auch die Band hat einiges zu bieten, schon ungewöhnlich durch die Besetzung Bass, Gitarre, Schagzeug und Cello(!), spielt der Bassist als von Pohlmann ernannter Tausendsassa auch noch Keyboard und das zweite Cello. Außerdem dürfen wir uns über einen vom Pohlmanns Kumpels freuen, der ihn bei „An Mina“ an der Cajon unterstützt.
Beendet wird das reguläre Set nach 12 Songs dann mit „Der Junge ist verliebt“, doch natürlich haben die Osnabrücker nach knapp 80 Minuten Spielzeit noch nicht genug und fordern eine Zugabe.

Endlich bekomme ich jetzt auch meinen Lieblingssong „Mädchen und Rabauken“ zu hören.
Was danach passiert, liegt irgendwo zwischen Comedy und Musik, Pohlmann erzählt von Lagerfeuer und Sternschnuppen, von seinem Hund, der an Ostern seine Schokolade gefressen hat und von seiner Kindheit, in der er sich ausgiebig mit Insekten und anderen Tieren beschäftigt hat. An dieser Stelle denke ich als Monsters-Fan sofort an „Frösche weinen nie“, besonders als es in dem darauf folgenden Song auch um aufgeblasene Frösche geht. :-) Auf jeden Fall komme ich aus dem Lachen nicht wieder raus und obwohl die Songs qualitativ sicher nicht zu den besten gehören, haben sie einen extrem hohen Unterhaltungswert.
Danach wird es allerdings wieder etwas ernsthafter, und Pohlmann kündigt ein bisher nie geprobtes Cover an. Es folgt „Play the blues“ der kanadischen Band Danko Jones.
Da nun tatsächlich sein gesamtes Repertoire erschöpft scheint und aus dem Publikum der Wunsch nach einer Wiederholung von „Wenn jetzt Sommer wär“ erklingt, wird mit diesem Song das Konzert dann endgültig beendet.
Alles in allem hat mir das Konzert sogar noch besser gefallen, als ich es vorher erwartet hatte und ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen!

-Micha

Fotos von Pohlmann
Fotos von James Kakande und Gabriel Gordon