Boppin' B in Rheda-Wiedenbrück (Road-House)

Samstag, 8. März 2008 - BiBi

Einen Tag nach der langersehnten Veröffentlichung des neuen Boppin’ B-Albums „Rock’n’Roll Radio“ stand für mich lang längerer Auszeit endlich wieder ein Konzert der Aschaffenburger an. Location: Das Road-House in Rheda-Wiedenbrück. Dort feierten die Konzert-Junkies vor fast genau einem Jahr ihr einjähriges Bestehen und wir hatten den Club und sowieso den ganzen Abend in bester Erinnerung.

Konnten wir auch in diesem Jahr nicht alle gemeinsam fahren, so starteten doch Nadine und ich am späten Samstagnachmittag. Ich hatte gleich für Lokalöffnung um 19 Uhr einen Tisch bestellt, weil wir vorher noch essen wollten und vom Vorjahr wussten, dass es ziemlich lange dauert, bis das Essen serviert wird.
Nach einigen Irrungen und Wirrungen auf dem Fahrtweg (der Routenplan führte uns durch die Pampa, so dass wir nur kleinen Kreisstraßen folgten) landeten wir um 18.30 Uhr in Wiedenbrück beim Road-House. Immer dumm, wenn man eigentlich schnell mal auf Toilette müsste, aber der Club noch nicht geöffnet ist. Aber die Wartezeit verging schnell, die Türen wurden geöffnet und da man mit der Kasse im Road-House wohl noch nicht soweit war, wollten wir erst mal die sanitären Anlagen aufsuchen. Boppin’ B standen noch auf der Bühne und soundcheckten – so bekam die eilig aufs Klo rennende Nadine auch gleich ein Sprüchlein von Thomas hinterher: „Jetzt aber flott, Fräulein Nadine!“. Das war schon mal der erste Brüller des Abend – und fröhlich gings weiter.

Da neue, uns unbekannte Songs geprobt wurden, blieben Nadine und ich natürlich mal in Höhe des Mischpultes stehen, um zuzuhören…Mir gefiel ganz ausgezeichnet, was ich da hörte – da hielt mir jemand von hinten die Augen zu – häh? Keine Ahnung, wer da nun aufgetaucht war. Als ich mich umdrehte, sah ich die Micha – was für eine erstklassige Überraschung! Musste sie an diesem Samstag doch arbeiten und konnte daher am Vortag nicht mit nach Bramsche, hielt sie es daheim in Düsseldorf doch nicht aus und schlug sich mit Bahnen und Bussen bis zum Road-House durch…juchhuh, Mädels-Abend!

Als der Soundcheck beendet war, gingen wir an die inzwischen aufgebaute Kasse, zahlten unseren Obolus und ließen uns unseren kleinen Tisch zeigen. Stuhl mit rangestellt und Platz genommen. Unsere Bestellung wurde schnellstens aufgenommen – und genauso schnell kam auch das Futter…oha! Einen Burger nach Art des Hauses für mich, die Mädels verknusperten überbackene Nachos (Nadine machte erste Bekanntschaft mit Jalapenos) und Mini-Donuts.

Dank des diesmal flotten Teams des Road-Houses waren wir dann schon kurz vor 20 Uhr mit allem fertig und es begann die lange Zeit des Wartens auf den Auftritt. 21.30 Uhr sollte der stattfinden, kurz vor 21 Uhr begaben wir uns mal in Richtung Bühne. Der Club war zu dem Zeitpunkt schon recht voll und dementsprechend war die Luft – verqualmt ohne Ende. Sehr schade, dass Nordrhein-Westfalen sich so einen Sonderstatus geschaffen hat und dort das Rauchen weiterhin in Kneipen etc. erlaubt ist.
So brannten uns die Augen schon vor der Bühnenshow und das Warten wurde quälend. Besonders, da sich der Beginn um eine halbe Stunde heraus zögerte. Ein Durchkommen zum Tresen war schon zeitraubend und nervig, ich hoffte, dass mein Getränk einfach für den Abend reicht.

Dann endlich – die Musiker erschienen gutgelaunt on stage. Setlisten wurden geklebt, wir haben natürlich sofort neugierig gespickt, was auf uns zukommt. In diesem 1. Set entdeckte ich sogar einen mir unbekannten Song…aber dann ging’s auch schon los. Vorn wurde es noch enger, das Road-House war picke-packe-voll. Energetisch startete das Set mit „Army of Rock’n’Roll“, gefolgt von „The only way“. „Scheisskapelle“ und „Sh-Boom“ waren die nächsten Programmpunkte. „Wild Saxophone“ fehlt mir doch sehr auf dem aktuellen Album, live dafür umso besser! Bei „Those were the days“ gab es natürlich wieder lange, lustige Ansagen. Im Vorfeld wurde wohl dieser Song als ausdrücklicher Musikwunsch per Email an die Band herangetragen – und in einer weiteren Email bat man darum, diesen Song auf gar keinen Fall zu spielen…was für eine Zwickmühle ;-)

Dann folgte schon etwas Neues für mich. „Save our soul“ – klasse, hat mir gefallen und ich freu mich auf ein Wiederhören. Die Geschichte vom Besuch im „Mädcheninternat“ kam dann als nächstes – und auch „Chemical reaction“ schafft es immer wieder auf die Setlist.

Bei „Jump jive and wail“ konnten die Musiker wieder ihr akrobatisches Talent zeigen – diesmal entstaubte Golo die dreckige Lampe aber nicht wie im Vorjahr;-) – bei „I can’t dance“ kam etwas Ruhe ins Road-House – damit war es aber mit „Hand in hand“ schnell wieder vorbei. „The bop won’t stop“ beendete dann das erste Set.

Ich beneidete die Musiker, die frische Luft schnappen konnten. Die Luft war wirklich eine Qual – aber bis nach draußen hätten wir eine Ewigkeit gebraucht – vom Rückweg ganz zu schweigen. Also harrten wir tapfer und mit tränenden Augen aus. Zum Glück war die Pause nicht zu lang und Boppin’ B kehrte auf die Bühne zurück – mit einem musikalischen Feuerwerk, das es in sich hatte. Gestartet wurde mit „Americano“, ganz klar so ein gefühlter Wunsch! Nadine äußerte kurz vorher noch, dieses Lied mal wieder zu hören zu wollen…voilà!
Über „Why“ freute ich mich auch riesig – älter, aber super! Mit „King of Bongo“ und „Boulevard of broken dreams“ kehrten wir dann wieder in die Neuzeit zurück – sind doch beide Stücke vom aktuellen Album. „How low will you go“ hat es leider nicht auf die CD geschafft, da hoffen wir mal auf die nächste und freuen uns über die Live-Darbietung.
Bei dem folgenden „If you believe“ gab’s mittelschwere Irritationen…Micha vergaß zu pfeifen, Golo spielte dann eine andere Melodie, auf die Micha aber schnell den If you believe-Text sang – großes Gelächter auf der Bühne und im Publikum. Aber dann fand man doch noch den richtigen Anfang und der Song ging ab wie immer!
Die nächsten drei Lieder waren dann wieder vom „Rock’n’Roll Radio“-Album: „Ridin’ on a bullet“, „Hold on“ und „Radio day“. Mit „Just rockin’ & rollin’“ folgte ein weiterer neuer Song für mich.
Und dann wieder was ganz altes, aber nicht minder gutes…“I’m on fire“, von Golo gesungen, bestimmt seit zwei Jahren nicht mehr gehört. Hach, wat schön.
„Rockin’ rollin’ stone“ als nächstes – und dann stieg der Mitsingfaktor enorm bei „Runaround Sue“. Zum Abschluss des 2. Sets durften wir bei „Bye Bye“ noch mal kräftig winken.

Die Musiker verließen zwar sporadisch die Bühne, aber natürlich nicht lange, denn sie wurden mit lauten Zugabe-Rufen vehement zurückgeordert. Mit den letzten beiden Download-Singles „Blitzkrieg Bop“ und „Radio“ ging es dann kraftvoll weiter. „Perfect“ war der dritte Zugabe-Song, nicht mein Favorit, aber die Micha liebt den Song heiß und innig!
Auch ein zweiter Zugabeblock wurde gefordert und dieser Wunsch sofort erfüllt. Genialerweise mit zwei Ur-Aufführungen. Zum einen „Rockaway Beach“, bekannt von den Ramones – zum anderen „Hot Rod Girl“ – beides einfach klasse!
Zum Abschluss dann ein weiteres Schmankerl – „Be blue again“, wo Golo wieder ans Mikro musste. Er guckte erst etwas ungläubig auf die Setlist, aber Nadine, Micha und ich bettelten sofort los und da konnte er ja auch einfach nicht mehr Nein sagen. Auch dieses Lied hab ich sicherlich zwei Jahre nicht mehr live gehört. Ein perfekter Abschluss eines großartigen Konzertes.

Nun hielten wir es aber in der Räucherbude nicht mehr aus und verließen so schnell, wie die Menschenmassen es zuließen, das Lokal – schnell zum Auto, ich hab da erst mal einen Liter Flüssigkeit in mich reingeschüttet und wir füllten unsere Lungen mit frischer Luft. Zehn Minuten ließen wir uns Zeit, dann wagten wir uns zurück in die Höhle der Tabakwaren-Freunde. Inzwischen wurde aber glücklicherweise auch dort durchgelüftet und viele Besucher hatten das Road-House verlassen. Man war bei der After-Showparty angekommen. Alte Rock-Klassiker liefen von CD, aber in erträglicher Lautstärke, so dass wir doch noch einige lange Gespräche führen konnten. Leider übermannte mich dann doch gegen halb drei die Müdigkeit und in Anbetracht, dass ich noch drei Stunden Fahrt vor mir hatte, verabschiedeten wir uns und traten die leicht verwirrende Heimfahrt an – ein bisschen kreuz und quer, bis die Richtung dann endlich stimmte. Mein Orientierungssinn nach guten Konzerten ist ja immer gleich Null – ob sich das jemals ändern wird? :-)
Nachdem ich Micha und Nadine in Bramsche abgeliefert hatte, legte ich die letzten 120 km allein zurück und ließ dieses musikalisch absolut hochwertige Wochenende noch mal Revue passieren.

- BiBi -

Fotos von Boppin’ B aus dem Road-House