Boppin' B in Lüneburg (Garage)

Samstag, 11. September 2010 - BiBi

Manchmal bin ich auch ein bisschen verrückt…gut, gibt viele sagen, das ist nicht nur manchmal – und auch nicht nur ein bisschen ;) – aber heute empfinde ich das auch selber so. Morgens gegen neun Uhr bin ich erst nach durchfahrener Nacht von meiner Baseballs-Tour aus dem Schwarzwald zurück gekehrt…hab ein paar Stunden wie ein Stein trotz Baulärm von unten geschlafen, aber eigentlich viel zu wenig, und trotzdem fühle ich mich, als wenn ich Bäume ausrupfen könnte. Also was tu ich? Ernsthaft drüber nachdenken, ob ich nicht noch eben nach Lüneburg fahren könnte. Boppin’ B spielen dort heute auf und ich möchte die fünf Herren doch so gern wieder sehen. Erst einmal habe ich das dieses Jahr geschafft und das war im März, also auch schon lang her. Außerdem…als ich ein paar Tage vorher in Offenbach vor dem Capitol stand, wurden dort gerade Plakate aufgehängt – unter anderem von Boppin’ B, die im Dezember ein Konzert in der Frankfurter Batschkapp geben. Und meine Freundinnen riefen gleich: Hey, ist das nicht die Band, zu der du so gern fährst, was ich bestätigte – nur ungelogen, die Augen von Frank und Golo haben mich den ganzen Tag bis zum Einlass verfolgt und ich hatte das Gefühl, die beiden gucken mich vorwurfsvoll an, weil ich schon so lang nicht mehr da war…wer kann da noch frei entscheiden?
Unter der Dusche um 18 Uhr fällt dann auch das endgültige GO…ich fühl mich fit, ich fahre. Ich kenne die Garage in Lüneburg, da sind auch ein paar Sitzmöglichkeiten am Rand der Bühne, da lässt es sich gut aushalten, auch wenn ich ansonsten allein vor Ort bin – ich kenne ja die Band, ist dann immer mein Spruch :)

So bin ich um kurz nach 21 Uhr in Lüneburg, zahle meinen Eintritt und betrete den Club. Zum Glück ist es heute nicht so kalt wie letztes Jahr im Dezember, da habe ich mein erstes Indoor-Konzert erlebt, wo ich zwei Jacken tragen musste, um es irgendwie auszuhalten.

Am Tresen sehe ich bereits Didi und Golo, aber die beiden sind im Gespräch mit Freunden vertieft, so hole ich mir nur schnell ein alkoholfreies Bier und hocke mich seitlich neben die Bühne. Irgendwann taucht Bassist Didi bei mir auf und wir können ein bisschen reden. Ich bin erschrocken, weil es so leer in der Garage ist, aber Didi weiß zu berichten, dass drei Festivals an diesem Wochenende in Lüneburg stattfinden und es sicher auch nicht sehr viel voller werden wird. Uups…aber dann kommt ein Trost…denn bereits ab heute wird die neue Boppin’B-CD „B.A.N.G.“ am Merch-Stand verkauft – juchhuh, so komme ich bereits eine Woche vor dem offiziellen Release in den Genuss…eine große Freude.

Um 21.20 Uhr, als der DJ anfängt, spukige Psychobilly-Mucke aufzulegen und ich das alles etwas blöd finde, kommt aber die Boppin-Bande geschlossen aus dem Backstage-Bereich und beginnt ihr Konzert. Ich nehme natürlich einen Platz vorn an der Bühne ein, wie ich es gewohnt bin, aber das restliche Publikum bleibt eigentlich weit hinter mir. Klar, dass die Herren drum bitten, dass man mal vortritt und die ersten Reihen auch auffüllt. Leider sind sicher nicht mehr als 70 bis 80 Leute im Club, und davon einige Rockabillys…da kocht die Stimmung nicht gerade über, aber ich habe definitiv meinen Spaß. Heute werden sehr viele Songs des neuen Albums gespielt, und da sind doch noch einige dabei, die ich schändlicherweise gar nicht kenne…aber so ist alles neu und spannend. Wobei aber auch wohlbekanntes zu Gehör kommt. Z. B. startet das Konzert mit „The only way“, einem Song von neuen Album, aber mir trotzdem schon altvertraut…den gibt’s schon eine ganze Weile auf Konzerten. Auch „Mercury“, „Up jumped the devil“, „Hot Rod Girl“ oder „Wear my boots“ sind für mich nicht mehr fremd und das Wiederhören macht Freude. Aber natürlich auch bei ganz vertrauten Stücke wie „Scheißkapelle“ (schlecht, Lüneburg, wirklich schlecht, was ihr da beim Scheißkapelle-Schreien abliefert…hab manchmal das Gefühl gehabt, ich brülle allein), „Mädcheninternat“, „If you believe“, „I can’t dance“ oder „Hold on“. Wobei letzteres eher zu einer kleinen Lachnummer verkommt, da Micha es so tief singt – eigentlich schade, da ich den Song sehr liebe. Aber Spaß muss sein – dummes Zeug erzählen die Herren auch heute wieder auf der Bühne, ich amüsiere mich wirklich köstlich, fühle mich auch allein sehr wohl und bopper so vor mich hin. Doch irgendwann zwischendurch wird mir mal ein bisschen schwummerig – sicher die Anstrengungen der vergangenen Tage und der Schlafmangel. Ich hab immer das Gefühl, mich zieht jemand nach hinten und bevor ich vor der Bühne den Klappmann mache, hocke ich mich eben wieder ein bisschen seitlich hin.
Aber ich komme immer wieder vor zur Bühne – denn komischerweise verzieht sich der Rest des Publikums immer schnell wieder nach hinten…die Band bittet drum, vorzukommen…sie tun’s und nach einem Song sind sie wieder auf dem Rückzug – lustig zu beobachten.
Mit „Save my soul“ vom neuen Album ist es auch eine komische Sache…habe den Song jetzt auch schon mehrfach live gehört und jedes Mal wechselt meine Meinung dazu. Manchmal kann ich ihn nicht leiden, heute finde ich ihn wieder klasse. Sowas ist mir auch noch nicht passiert.
Irgendwie ist auch heute viel zu schnell der letzte Song erreicht, aber die Lüneburger sind endlich warm geworden und rufen dann doch nach Zugabe – ein Zugabeblock wird dann auch gewährt, ein Glück…lustigerweise ist das letzte Lied dieses Konzerts dann ausgerechnet „The Look“ – wie auch bei allen Baseballs-Konzerten in der Vergangenheit. Alles so vertraut…

Eine gute Seite hat es natürlich, wenn nur wenig Leute im Club sind – man hat einfach mehr Ruhe und Zeit, sich mit den Herren Musiker auszutauschen, was ich im Anschluss an den musikalischen Teil auch noch ausgiebig mache. Und natürlich kaufe ich auch das neue Album – auch wenn ich es bei Amazon bereits vorbestellt habe. Macht nix, was ich hab, das hab ich.

Gegen Mitternacht beschließe ich dann, die Heimfahrt anzutreten, habe noch Schwierigkeiten, vom Parkplatz der Garage herunter zu finden, denn da, wo man raufgefahren ist, darf man jetzt nicht mehr runter – soso…aber dann bin ich endlich auf der Autobahn und kann mich dem Hörgenuss der B.A.N.G. hingeben…sehr gelungen, gefällt mir fast alles und birgt auch schöne Überraschungen für meine Ohren.
Als ich um kurz nach 1 Uhr daheim bin, überfällt mich dann aber doch endlich endlich die große Müdigkeit und da ich am nächsten Tag schon wieder das nächste Konzert in Hamburg vor mir habe, falle ich ins Bett und schlafe tatsächlich mal acht Stunden…himmlisch.

- BiBi -

zu den Fotos aus Lüneburg