Dick Brave and The Backbeats in Köln (Gloria)

Montag, 23. Mai 2011 - BiBi

Der Tag der Tage ist angebrochen…seitdem im Frühjahr herauskam, dass Dick Brave mit seinen fabulösen Backbeats auf die Bühne zurückkehren wird, war die Aufregung groß. Der Vorverkauf für die sechs Konzerte im Mai war schnell beendet. Binnen weniger Tage waren alle Locations ausverkauft. Nun ja, zum Teil hat ein Ebay-Händler zwar die Kontingente abgegriffen, um die Karten zu völlig überhöhten Preisen zu verticken, zum Ende mußte er dann aber die letzten Karten eher verramschen. Egal, ich war natürlich so clever und hab mir gleich am ersten Verkaufstag meine Karten gesichert.
Leider hab ich momentan eine recht arbeitsreiche und hektische Zeit…auch das Wochenende vor Tourstart habe ich quasi durchgeschuftet und so war ich schon recht kaputt, als es am Montagmorgen noch vor 10 Uhr los ging. Ich treffe mich mit Petra in Oyten und steige in ihr Auto um, wenigstens eine Entlastung, nicht die weite Strecke selber fahren zu müssen.
Wir kommen völlig problemlos über die Autobahn, kein Stau in Sicht, liegen gut in der Zeit. Auch eine Fehlschaltung meines Navis hält uns nicht auf und so sind wir kurz vor 13.30 Uhr im Parkhaus, das Petra sich ausgeguckt hatte. Am Gloria angekommen gibt es ein großes Hallo, einige vertraute Gesichter sind bereits da und man muss sich erst mal ordentlich begrüßen. Wir hatten ja nicht so viele Gelegenheit in den letzten Monaten, aufeinander zu treffen, da es um Sasha recht ruhig geworden war.
Die Location stellt sich als richtig toll heraus. Denn der Vorraum vom Gloria ist ein Café, wo wir alle Platz nehmen können und uns bewirten lassen. Nicht stumpf vor der Tür stehen, das ist wirklich gut. Toilette in der Nähe, das heißt, man kann auch ungehindert etwas trinken…man klärt uns auf, dass das Café um 18 Uhr geschlossen wird. Heißt also, eine Stunde vor der Tür warten, bis Einlaß ist. Kein Problem. So vergeht die Zeit wie im Flug, besonders, weil neben den lieb gewonnenen Sasha-Fans, von denen viele längst zu Freunden geworden sind, auch die Maike heute dabei ist. Sie stammt aus den Baseballs-Fanreihen, wir kennen uns aber nun auch schon seit 2009 und ich finde es super, dass sie sich mal den Dick angucken will – natürlich standesgemäß 1. Reihe.
Um kurz nach 17 Uhr sind dann auch schon so einige mehr Fans vor Ort und die ersten bleiben mal vor der Tür stehen – das ist jetzt alles etwas unentspannter …also verschwinden Maike und ich noch schnell kurz vor halb sechs auf die Toilette, dabei bleibt es nicht aus, dass ich vom Soundcheck etwas mitbekomme…zwei Songs, mir noch nicht bekannt…meine Spannung wächst ins unermessliche – was gibt es gleich? Sind die alten Backbeats-Mitglieder dabei? Adriano haben wir bereits gesehen…mit Mike rechne ich fest…Matt wurde auch bereits gesichtet…sieht also gut aus, nun fehlt quasi nur noch der gute Phil…
Tja, dann ein Schock, als wir von den sanitären Anlagen zurückkehren…in der kurzen Zeit ist das Café komplett geräumt, obwohl es noch lang nicht 18 Uhr ist – und vor der Tür wurde ein Drängelgitter gestellt, das natürlich proppevoll mit Leuten ist. Ich denke, ich guck nicht richtig…nun stehen reichlich Leute vor mir, die sehr viel später als Maike und ich angekommen sind. Und wie so üblich wird auch nicht gerade Platz gemacht…gut, ich füge mich quasi ein bißchen in mein Schicksal. Maike drängt sich noch zu Petra und beide versprechen, mir ein Plätzchen freizuhalten. Auf meine Mädels ist Verlass, das weiß ich ja :) – nun beginnt also die blöde Zeit eines Konzerttages…stumpfes Anstehen. Die Minuten vertröpfeln unendlich langsam, dabei sinds ja nur 1,5 Stunden – ich denke, es kommt mir vor wie ein ganzer Arbeitstag. Nein, sogar der vergeht schneller.
Aber dann ist es doch relativ pünktlich endlich soweit…die Türen öffnen sich. Ich habe mir meine kleine Wasserflasche, die noch halbvoll ist, in die Jackentasche gestopft in der Hoffnung, sie so hinein zu bekommen, um beim Konzert nicht völlig zu dehydrieren. Nachdem ich endlich die Ordner passieren kann, geht mein Plan auch auf und ich finde mich kurz drauf in der ersten Reihe zwischen Petra und Maike wieder, auf der linken Seite wie in den alten Zeiten. Ich muss lachen und denke nur: Och, wenn der Adriano auf die Bühne kommt und ich steh vor ihm, denkt der auch, er wäre nie weg gewesen.
Die kommende Wartezeit ist normalerweise die ätzendste – aber heute kommt mir das alles nicht so langatmig vor, wir unterhalten uns quer um uns herum und lernen nette Menschen kennen. Alle sind aufgeregt und freuen sich auf das, was da kommt…auch bei mir kribbelt es inzwischen tüchtig in der Magengegend…was wird wohl gleich alles passieren?
Da es Dinge gibt, die sich nie ändern, ist heute natürlich auch nicht pünktlich um 20 Uhr Beginn…Dick Brave hat sich noch immer 15 bis 20 Minuten länger Zeit gelassen…aber dann, nachdem das Publikum schon ungeduldig geklatscht hat, wird es endlich dunkel…die Spannung knistert – und auf dem großen weißen Tuch, das mitten auf der Bühne hängt, erscheint ein Filmchen mit Klaas Heufer-Umlauf, der theatralisch die Geschichte erzählt, wie er und Adriano den Dick, der in Alaska verschollen war, wiedergefunden haben. Sehr amüsant gemacht, gefällt mir schon mal super.
Doch dann fällt das große Tuch und dahinter stehen vor den großen, mit Glühbirnen bestückten D I C K-Buchstaben die Akteure des heutigen Abends…ohne eine Miene zu verziehen…ich checke alles schnell ab und hoppla…Mike ist nicht dabei, ein mir fremdes Gesicht starrt ins Publikum…aber Phil ist mit von der Partie, juhu.
Endlich nehmen alle ihre Position ein und der musikalische Abend beginnt – zünftig mit einem schnellen Stück Rock’n’Roll namens „Rock Therapy“. Ich bin völlig fasziniert, habe Gänsehaut und verdrücke auch ein paar Tränchen. War doch die Dick Brave-Zeit von 2003 bis 2004 eine sehr intensive Zeit in meinem Leben, ich hab mitgemacht, was irgend ging…war wirklich auf sehr vielen Konzerten und hatte soviel Spaß. Das alles kommt natürlich geballt in Erinnerung, wenn man den Herrn Brave mit seinem Flammenhemd dort auf der Bühne agieren sieht…die Hüften rollen, die Kottletten sehen super aus, die Tolle sitzt. Hach ja :) Ich überlege kurz, ob es wohl das alte Flammenhemd ist – aber nein, das war nachher schon etwas verwaschener in den Farben :D
Nach dem neuen Stück gibt es altvertrautes und sofort ist das alte Feeling auch wieder da. „Twenty Flight Rock“ und“Shes the most“ mochte ich schon immer. Bei „Get The Party Started“, dem wohlbekannten Pink-Cover, erheben sich meine Arme wie automatisch. Auch das hat sich nach sieben Jahren nicht geändert. Geübt ist geübt.
Als erster neuen Coversong folgt nun „Just The Way You Are“ , ursprünglich von Bruno Mars. Sehr melodiös und wunderschön…ebenso das folgende „It’s up to you“. „Sitting Waiting Wishing“ kennt man von Jack Johnson, aber nicht so…Rock’n’Roll ist einfach die bessere Musik.
Doch nun kündigt Adriano an, es wäre Zeit für einen Chuck Berry-Song und gespielt wird „Come on“, einfach super. Man merkt, weder Dickie noch seine Truppe hat irgendwas verlernt. Auch der neue Pianist, der später als Falko vorgestellt wird, paßt gut in die Truppe und hat sichtlich Spaß. Dick fegt über die Bühne, kokettiert ein wenig, dass seine Hüften etwas steif sind (auch 2011 wird konsequent englisch auf der Bühne gesprochen), läßt die Hips aber rollen wie in alten Zeiten. Die Herren gehen in die Knie, sie schwingen ihre Instrumente über dem Kopf, Matt hoppst um sein Schlagzeug, der Hocker vom Pianospieler fliegt um, ebenso haut Phil seinen Mikroständer ins Publikum…hey, hier ist richtig was los auf der Bühne.
Ein Song folgt dem nächsten, ich kann kaum folgen und alles so aufnehmen, um es hier richtig wiederzugeben, daher nenne ich einfach die Titel gemäß Setlist…“Have Love – Will Travel“ von Richard Berry oder „Use Somebody“ von den Kings of Leon. Ganz großartig kommt „Rolling In The Deep“ , im Original von Adele, an. Ich finde die Umsetzung auch einfach grandios.
Sehr viel älteren Datums sind dann „Who Will The Next Fool Be“ von Jerry Lee Lewis oder „Lover Doll“ vom King, Mr. Elvis Presley.
Zwischenzeitlich ist Dickie schon aufs Piano gesprungen, um dort zu tanzen – und auch seinen berühmten Schulterstand auf eben diesem Instrument enthält er uns nicht vor. Und was sich ebensowenig geändert hat wie früher – er hat immer noch Schwierigkeiten, die richtige Blues Harp aus dem Köfferchen vor ihm zu fischen…das kann schon mal schief gehen, ist aber nicht schlimm, sondern eher charmant. Heute ist Premiere, da macht es auch nichts, dass ein kleiner Telepromter vor ihm auf der Bühne steht und er ab und an nach dem Text schielen muss. Diese Rock’n’Roll-Therapy macht er ja schließlich, um vergessenes wieder zu Tage zu befördern, da kann man ruhig ein wenig nachhelfen :D
Mich bringt er nächste Song so ziemlich zum Ausflippen, denn er ist altvertraut und ich hab ihn immer GELIEBT – „No One Knows“ von Queens of the Stone Age. Das Kölner Publikum ist auch restlos begeistert und feiert das alles lautstark. Aber noch ist ja lange nicht Schluss.
„Long Legged Girl“ sagt mir nun nicht so viel bzw. ist mir nicht wirklich bekannt. Auch von Elvis, oder? Ich bin da kein Kenner der Materie. Aber „I Like“ von Keri Hilson erkenne ich dafür auf Anhieb…auch klasse in Rock’n’Roll-Gewand gepackt. „American Idiot“ von Green Day kommt auch super bei den Zuschauern an und die Bühne bebt bei dem Song nochmal mehr…
Nun wendet sich die Bühnenbesetzung aber wieder altvertrauten Weisen zu – „Black Or White“ war schon immer ein Knaller in den Konzerten, ebenso die frühere Single „Take Good Care of my Baby“. Und mit „Give It Away“ ist dann auch plötzlich das Hauptset ohne Vorankündigung vorbei…och…die Herren laufen von der Bühne unter lautem Jubel und Applaus, der auch nicht abklingt…daher ist klar: Nun ist Zugabe-Zeit. Ich bin so gespannt, ob es nun etwas langsames gibt und ja, es gibt…zum Niederknien schön interpretiert Dick Brave „Alway On My Mind“ von Elvis. Gänsehaut…“I’ll be satisfied“ von Jacky Wilson ist ebenfalls ein Klassiker – und ein moderner Klassiker beschließt den ersten Zugabe-Block: „Walk This Way“
Das tobende Publikum schafft es aber, die Truppe nochmals dazu zu bewegen, auf die Bühne zurück zu kehren. Sowas Gutes darf ja auch nicht einfach so vorbei sein…ich hoffe im Stillen immer noch auf „Gigolo“, einem Song, der mir sehr ans Herz gewachsen ist…aber leider leider warte ich darauf vergeblich…was aber auch der einzige Wermutstropfen an diesem Abend ist. Es folgt quasi ein kleines Prince-Medley, bestehend aus „Cream“ und „Kiss“, gefolgt von „Just Can Get Enough“, das man sonst von Depeche Mode kennt. Der Saal tobt erneut – und noch mehr, als auch dieses Konzert dann endgültig damit endet, wie all die anderen Konzerte in früheren Jahren: „Great Balls Of Fire“ – und auch heute Abend werden die Instrumente gewechselt…nur so chaotisch ist das noch nie verlaufen. Ich lache mich fürchterlich kaputt, denn Dick wechselt vom Mikro nicht nach links an die Gitarre, sondern geht zum Bass – und danach ist nur noch ein heilloses Durcheinander, keiner weiß so recht, wo er nun hin soll und nimmt eben, was gerade so kommt…aber so lustig und gut, diese ganzen verwirrten Blicke. Doch danach ist wirklich Schluß. So schnelll ist die Zeit vergangen, es ist kurz nach 22 Uhr, man mag es gar nicht glauben. Die Kölner beruhigen sich nur langsam, aber sofort wird man auch aus dem Saal gefegt. Raus raus raus, ihr könnt euch im Cafe aufhalten, wird gesagt. Nun gut…aber auch dort ist nicht mehr lange auf, da heißt es auf die Straße wechseln. Wir bleiben auch noch eine Weile, es herrschen draußen ja angenehme Temperaturen, man hat sich immer noch viel zu erzählen. Aber kurz nach Mitternacht ist dann auch gut, ich kann kaum noch stehen, meine Füße tun weh, ich mag heim und der Weg ist noch weit, weit…mein Kreislauf spinnt auch ein bißchen, jetzt merke ich massiv die hohe Belastung der vergangenen Zeit.
Wir irren noch eine ganze Weile durch Köln, sehen den Dom von drei Seiten immer wieder auftauchen, weil Petra eigentlich nicht die Strecke nehmen möchte, die mein Navi vorgibt, das sich auch immer noch sehr schwer tut. Aber irgendwann erreichen auch wir die Autobahn und können nach einem kleinen Zwischenstop beim Schnellimbiss mit dem großen gelben M gen Norden fahren…gegen fünf Uhr bin ich dann endlich daheim, völlig fertig und übermüdet, aber auch sehr glücklich, bei diesem Tourstart dabei gewesen zu sein. Leider weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass es mir am nächsten Tag so elend gehen wird, dass ich das Konzert in Hamburg sausen lassen muss – aber es gibt schlimmeres, denn zum Glück sind Dick Brave and The Backbeats in diesem Jahr ja noch einige Male unterwegs – und ich auch sicherlich immer wieder mal dabei.
- BiBi -
Fotos von Dick Brave and The Backbeats im Kölner GLORIA