The Baseballs in Hamburg (Docks)

Freitag, 21. Oktober 2011 - BiBi

Auf dem Weg nach Hamburg ging mir immer wieder durch den Kopf: Oh Mann, ich fahre zu meinem ersten The Baseballs-Konzert in 2011 – und das im Oktober. Traurig, traurig. Aber die Konzerte der drei Voc’n’Roller sind in unserer Region mehr als rar geworden. Für gewöhnlich muss man schon in den tiefen Süden oder ins Ausland reisen, um zu einem Konzert zu kommen.
Im Sommer wollte ich ja auch an die Mosel fahren, aber da hatte mich ein Hexenschuß erwischt und weitere Strecken Autofahren war völlig ausgeschlossen. Aber nun hatte das Warten ja ein Ende – und was noch besser war: Ich war im Besitz eines VIP-Tickets – als diese Form Ticket im Juni auf dem Markt kam, hab ich nicht lange gezögert, denn das eigentlich schon recht teure Ticket beinhaltet ein Fan-Package, ein Meet and Greet mit den Jungs und – und das war mein größter Beweggrund – verfrühten Einlass in die Halle. Da ich nun mal gern in der ersten Reihe stehe, war es zu verlockend, denn nach meinen letzten Konzerten im November des Vorjahres in Holland durfte ich ja feststellen, dass ich kaum noch eine Chance habe, vorn zu stehen, ohne entweder morgens bereits vor dem Club zu sein oder aber mich treten und beschimpfen zu lassen – nein danke, auf beides habe ich keine Lust. Also hab ich mir quasi selber zu meinem Geburtstag so ein VIP-Ticket geschenkt – und nun sollte es endlich eingelöst werden.
Die Fahrt nach Hamburg verlief fast reibungslos. Nur vor dem Elbtunnel gab‘s mal wieder eine Vollsperrung, sicher war die Höhenkontrolle ausgelöst worden – aber nur 15 Minuten dauerte der Stillstand, dann ging es weiter. Ich quälte mich durch den Hamburger Freitagsnachmittagsverkehr und kam gegen halb vier wohlbehalten auf dem Kiez an – Tiefgarage Spielbudenplatz war schon vorher geplant, es waren auch viele Plätze frei. Das tolle an dieser Parkgarage – ein direkter Anschluss an öffentliche Toiletten, nach einer längeren Autofahrt sehr willkommen.
Vor den Docks warteten bereits liebe Freunde und Bekannte, die ich teilweise schon eine lange Zeit nicht mehr gesehen hatte. Ich freute mich riesig über ein Wiedersehen und man musste sich erst einmal kurz austauschen. Meine Freundin Petra, die auch aufs Konzert wollte, war bereits da, direkt nach der Frühschicht gekommen – und Thessi, die ich schon seit April nicht mehr gesehen hatte und die nach dem Konzert zu mir mit heimkommen sollte, damit sie mein Gästezimmer kurz bewohnen konnte.
Während wir noch so quatschend beieinander standen und über den schlechten, schlechten Service des Ticketshops auf der Homepage der Baseballs schimpften, bei dem wir unsere Karten bestellt hatten, kam auch schon eine Betreuerin aus dem Club mit vielen VIP-Ausweisen. Nun war es soweit. Um 16.30 Uhr waren wir ja herbestellt worden. Scheinbar waren noch nicht alle VIP-Ticket-Besitzer da, also wurden wir, die wir bereits vor Ort waren, nach Übergabe des Ausweises um das Gebäude herumgeführt in die Prinzenbar. Oha…das hatte für mich sowas wie geschichtlichen Charakter. Auf der Showcase-Tour von Cosmo Klein bin ich bereits mal hier gewesen – das war im März 2003 – ich hatte nach diesem Showcase-Konzert noch ein längeres Gespräch mit Sasha, der sich dann knapp zwei Wochen später in Dick Brave verwandelte und meine Liebe zum Rock’n’Roll richtig erweckt hat. In der Prinzenbar staunte ich, wie klein dieser Raum war, ich hatte ihn um einiges größer in Erinnerung. Aber nun begann ein langes Warten. Kurz, bevor wir abgeholt wurden, sah ich, wie der NDR vorfuhr mit einem Kamerateam – und richtig, ein eingeschobener Termin, quasi auf Kosten der Meet & Greet-Teilnehmer. Wir wurden aber schon mal mit Getränken versorgt und bekamen unser Fan-Package…sehr zu meiner Freunde kein T-Shirt in Größe S oder sowas :D – sondern eine schöne Tasse und ein tolles Blechschild in einer bedruckten Baseballs-Tasche. Klasse, das gefiel mir gut. Aber was nun kam, gefiel mir gar nicht…warten, warten, warten – ich wurde immer nervöser. Nicht nur in Erwartung auf das Zusammentreffen mit den drei hübschen jungen Männern – sondern auch und vor allem, weil der Zeitpunkt des Einlasses in den Club immer näher rückte. Mit der Betreuerin sprach ich dann schon einmal im Vorfeld, um ihr mitzuteilen, dass der frühere Einlass an die Bühne für mich schon immens wichtig ist. Sie versprach mir dann, mich rechtzeitig zur Bühne zu bringen – nur die Treppe runter, dann würde man bereits im Konzertsaal sein. Gut so…aber mir wurde immer klarer, dass das Meet & Greet für mich nun nicht mehr wirklich lang dauern könnte.
So kam es dann auch…erst kurz vor 18 Uhr tauchten Sam, Digger und Basti endlich auf. Nach einer lieben Begrüßung stellten sie die Stehtische und Hocker schnell in eine Runde, damit jeder Platz nehmen konnte. Von den 17 VIP-Ticket-Käufern waren gerade mal 11 da. Also wirklich sehr klein und muckelig, das ganze…aber kaum begannen sie, ein wenig zu erzählen, war‘s auch schon 2 Minuten vor 18 Uhr und ich verließ die Runde. Mich ärgerte das maßlos, ich wusste aber, wenn ich dann später in den Saal käme und irgendwo im Mittelfeld stehen müsste, würde mich das noch viel mehr ärgern.
Vor der Bühne angekommen war es mal eine ganz neue Erfahrung, da noch ein paar Minuten ganz allein rumzustehen – rundherum rannten und flitzten die Mitarbeiter der Docks…und dann hieß es: Doors open…ich machte mich etwas breiter, damit es Petra zu mir schaffen konnte, was auch gut gelang. Sie war ja schon früh am Club und somit auch zeitig mit dem Einlass durch. Nur die arme Thessi wurde auf die Geduldsprobe gestellt…leider öffnete die Abendkasse, wo sie ihr Ticket abholen musste (verfluchter Ticketshop – man hat dort bestellt und erst Monate später wurde einem mitgeteilt, dass die Tickets nicht zugeschickt werden, sondern an der Abendkasse abzuholen sind – und wenn die dann noch später öffnet als der Club selber, dann ist es wirklich eine bodenlose Frechheit)…aber Thessi schaffte es dann doch noch zu uns, wenn auch nur zweite Reihe. Aber ich freute mich so sehr, sie bei mir in der Nähe zu haben.
Die Zeit bis zum Konzertbeginn zog sich etwas, lag sicherlich auch daran, dass ich mich immer noch ärgerte, dass Meet & Greet nicht wirklich mitgemacht zu haben – hätte ich gewußt, dass man sich entscheiden muss zwischen M&G oder verfrühtem Einlass, hätte ich das Ticket nicht gekauft, da konnte auch das Fan-Paket nichts mehr rausreißen. Außerdem fand ich es sehr schlecht belüftet, mir war schon warm, bevor das Konzert überhaupt begann…und das passierte dann endlich mit 20 Minuten Verspätung – bin ich von den Baseballs auch gar nicht gewohnt. Bei Dick Brave sind die 20 Minuten ja obligatorisch…naja, die Zeiten ändern sich.
Dafür startete das Ganze mit einem kleinen Filmchen auf der weißen Leinwand (riesiges Bettlaken), das vor der Bühne hing. Aber ich konnte irgendwie nicht viel davon sehen – und verstehen schon gar nicht. Aber nicht schlimm…das Laken fiel, die Musik begann, auf der Bühne stand ein großer Käfig – sollte wohl eine Gefängniszelle darstellen. Daneben standen zwei grimmig aussehende Männer, die den Käfig mit einem weißen Tuch abdeckten…um es kurz drauf wieder wegzuziehen und siehe da, Basti, Sam und Digger standen im Käfig. Hurra, nun ging die Party los – mit „No Diggity“. Coole Umsetzung des Songs. Dann folgte auch schon „Hello“ und das Hamburger Publikum war auch von Anfang an voll am Start. Geredet wurde nicht viel, Musik stand im Vordergrund. Für mich toll, endlich die Songs des neuen Albums live zu hören wie jetzt „Bitch“, das ich total klasse finde und das live noch toller ist. Da war gleich riesige Stimmung – beim folgenden „Angels“ natürlich sowieso, da singt das Publikum ja immer lautstark mit. Als Song vom ersten Album war auch „I don’t feel like dancing“ dabei. „I do“ ist ein sehr neuer Song, der mir aber auch super gefiel. Vorher wurden Seifenblasen-Fläschchen ans Publikum verteilt, Sam führte halbwegs erfolgreich vor, wie man die nun zurecht pustet – und im Song kam dann auch eine Seifenblasenmaschine an der Decke zum Einsatz - hach, wie hübsch.
Auf „She’s not a girl“ hätte ich sowohl beim letzten Album als auch jetzt live verzichten können – damit kann ich einfach nichts anfangen, aber nicht schlimm…war ja nicht schlecht, trifft nur nicht meinen Geschmack.
Leider wurde mir (und allen anderen, die vorn standen) gleich am Anfang verboten, Fotos mit Blitz zu machen – sehr schade, denn die Lichtverhältnisse waren für Fotos ohne Lichtverstärkung nicht so gut. Um doch ein paar passable Bilder zu bekommen hab ich viel mehr fotografiert als ich wollte. Selber schuld, ich weiß, aber ich dachte, ich möchte ja wenigstens ein paar Bilder für die Konzert-Junkies-Seite haben, wenn ich schon endlich mal wieder in einem Konzert bin. Die Ordner hatten sich aber auch sehr heftig. Wenn einer auch nur sein Handy hochhob und die meinten, es würde jetzt gefilmt, sprangen sie sofort zu demjenigen und leuchteten ihm mit einer Taschenlampe an und sprachen lautstark Verbote aus – eigentlich ist die Band damit nicht so rigoros – aber konnte man nun nicht ändern, wenn die Security so übertrieben reagiert.
Auch egal, denn jetzt kam ein Song, der mir noch immer die Gänsehaut über den Rücken treibt „Torn“ – Himmel, ist das schön. Was ich richtig klasse fand, war der Tempowechsel von dem langsamen Song zum folgenden „Candy Shop“ – das kam richtig gut. Gar nicht lange ausruhen oder rumträumen, nein, es krachte richtig weiter. „The Look“ bringt die Stimmung ja auch immer zum Überkochen. Und dann folgte ein Lied, das ich sooo klasse fand, aber nicht wirklich kannte – weil es ein eigener Baseballs-Song ist: „Roll thru the night“ – da frage ich mich, warum nicht mehr eigene Songs auf dem letzten Album waren – aber bitte beim nächsten Mal. Hammer Ding! Auch das sich anschließende Instrumental-Stück der Baseballs-Band, bei dem die drei Sänger die Bühne verlassen, begeistert mich jedes Mal. In der Zeit wurde schnell umgebaut für den Akustik-Teil, der nach Rückkehr von Digger, Basti und Sam mit „Hard not to cry“ eröffnet wurde – zum dahin schmelzen. Gut, kann auch an den recht hohen Temperaturen im Club gelegen haben, aber ich glaube nicht ;)
Und nun wurde es richtig stylish – eine kleine Bar, direkt wie aus der Karibik importiert, wurde auf die Bühne gebracht – und Kapitän Saki, seines Zeichen Tourmanager der Baseballs, fing an, zu den Klängen von „California Gurls“ Cocktails zu mixen. Diese wurden dann im Publikum verteilt, Petra neben mir konnte auch einen ergattern. PinaColada, würde ich schätzen, yammi. Aber trotzdem genoss ich auch die tolle Interpretation des Songs von Katy Perry. Damit war das Akustik-Set aber auch leider schon beendet und es wurde wieder – richtig – laut mit „Lets get loud“. Den Smash-Hit von Uncle Kracker, „Follow me“, den ich auch immer gern bei den Sinners live höre, gab es als nächstes – schönes Ding. Bei „Tik Tok“ ging richtig die Post ab und mich freute sehr, dass hier auch das irre Drum-Solo von Tomas zum Zuge kam. Irgendwie ging es nun Schlag auf Schlag so druckvoll weiter – „Chasing Cars“ und „Hot’n’Cold“ sind dafür auch bestens geeignet. Bei letzterem wurden Mädels für die Bühne gesucht, die einen Gesangspart übernehmen sollten. Groß war der Andrang nicht, aber letztendlich fanden sich dann doch drei mutige Frauen – zwei kannte ich vom M&G. Sie waren auf ihrem ersten The Baseballs-Konzert.
Immer wieder gab es auch im Set fürs Publikum Mitmach-Parts – die gewöhnlich damit begannen, dass Digger fragte, ob wir ein blödes Spiel spielen wollen. Dann wurde etwas vorgesungen und das Publikum versuchte, das nachzusingen. Nicht immer einfach, aber machte Spaß.
Aber dann kündigte Basti tatsächlich den letzten Song an – „I’m yours“, wie schon bei vergangenen Touren. Na, da durften wir auch nochmal kräftig unsere Stimmbänder zum Schwingen bringen. Sofort nach dem Lied ertönten im donnernden Applaus zu der bisher grandiosen Show auch laute Zugabe-Rufe. So wollte man die Herren natürlich noch nicht in den Feierabend lassen. Dann kehrte Pianist Jan auf die Bühne zurück und begleitete einen kleinen Film, der abgespielt wurde – Sam, Digger und Basti in einem Gebäude, im Fahrstuhl fahrend, schicke Jackets an, Köfferchen in den Händen. Fahrstuhltür geht auf, die drei verlassen ihn – und tauchen genauso auf der Bühne auf. Wow, super – besonders das Outfit begeisterte mich sehr. Und sie singen „Never Ever“, großartig und mir bis dahin unbekannt – am Ende des Songs öffnen sie die auf der Bühne abgestellten Koffer und jeder holt ein Saxophon heraus und gemeinsam beenden sie so den Song. Riesen Applaus, absolut verdient.
Als zweite Zugabe gibt es „Quit playing games“, wo die Baseballs-Band am Ende gefragt ist – Jan, Klaas und Lars stehen am Mikrofon und singen mit umwerfender Performance – sehr geil :D
Natürlich darf auch „Umbrella“ nicht fehlen, die Stimmung im Saal kocht nochmal richtig über. Sehr schweißtreibende Angelegenheit. Aber dann hieß es auch wirklich Abschied nehmen – „Born this way“ entpuppte sich als endgültig letzter Song, aber hierbei wurde auch noch mal ordentlich Beistand vom Publikum gefordert. Digger, Basti und Sam teilten das Publikum unter sich auf und jeder durfte einen Part brüllen, bis lautstarke BORN THIS WAY-Chöre entstanden. Unter tosendem Applaus wurden die Baseballs und ihre großartige Band und Crew von der Bühne verabschiedet…heiei, eine wirklich tolle Show.
Beim Rausgehen aus den Docks traf ich dann zu meiner großen Freude noch Tino, den Gitarristen von den Sinners. Wir konnten noch ein bisschen quatschen, bis es mich dann endgültig nach draußen zog…durchatmen, ausdampfen. Und wenn man schon mal auf dem Kiez ist, bleibt man auch noch ein wenig, denn es war ja noch sehr früh. Ein Konzert, das um 21.30 Uhr beendet ist, hat man auch nicht oft. Gegenüber der weltbekannten Esso-Tankstelle hockten wir uns mit mehreren Mädels zusammen vor einen indischen Imbiss und haben noch allerlei erlebt, was man sonst nur aus dem Fernsehen kennt…Sturzbetrunkene Menschen, die Platzverweis von der Polizei erteilt bekommen, noch betrunkenere Menschen, die keinen Schritt mehr laufen können und tobend und um sich schlagend in einen Krankenwagen getragen werden, wo sie unflätig schimpfen und plötzlich gaaaanz ruhig werden *lach* - das war vielleicht spannend. Thessi und ich haben uns dann später auch in den Imbiss getraut und interessantes Essen gegessen. Mein gebratener Reis mit Hühnchen und ihre Tomatensuppe waren nicht unlecker, aber so anders, als man es sonst kennt. Aber kurz nach Mitternacht zog es uns dann doch nach Hause – ein bisschen hat mein Navi mich wohl vollgesponnen, so konnte ich Thessi noch eine hübsche Fahrt durch Hamburg bieten – quer durchs Schanzenviertel etc. – wobei es dort irgendwie belebter als auf der Reeperbahn war. Aber kurz nach halb zwei Uhr waren wir dann wohlbehalten im guten alten Fischerhude gelandet, bestaunten noch den klaren strahlenden Sternenhimmel, konnten noch ein wenig quatschen, bevor wir müde und kaputt in die Betten fielen. So war uns auch noch einiges an Schlaf gegönnt, bevor ich Thessi am nächsten Vormittag schon wieder zum Zug bringen musste, damit sie die weite Heimreise nach Bayern antreten konnte.
-BiBi -

Nachtrag: Wegen des verkorksten M&Gs habe ich mich mal per Mail an den Fanshop gewandt - und nach mehreren Tagen auch eine Antwort bekommen. Man nimmt meine Kritik sehr ernst und ich bekomme eine neue Chance beim nächsten Konzert in Hamburg am 8.11. - mein normales Ticket, das ich dafür habe, wurde upgegraded in ein VIP-Ticket - ich freu mich :)

Fotos von The Baseballs in Hamburg