The Baseballs in Münster (Jovel)

Donnerstag, 17. Mai 2012 - BiBi

Christi Himmelfahrt – viele nennen es auch nur noch Vatertag – ich nenn es Voc’n’Roll-Konzerttag. Denn heute sehe ich das erste Mal seit einem halben Jahr die turbulente Truppe um The Baseballs wieder. Eigentlich sollte es mein erstes Open Air in diesem Jahr werden, aber aufgrund der miesen Wetterprognosen wurde das Konzert in einen Club verlegt. Lustigerweise ins Jovel, wo ich keine zwei Monate zuvor Dick Brave & The Backbeats gesehen hatte. Der super Einlass war mir noch sehr positiv im Gedächtnis, frühzeitig gestellte Drängelgitter und ruhige Kontrolle. So gesehen fand ich die Entscheidung der Verlegung schon gut.
Das einzige, was ich mir im Vorfeld immer wieder überlegte, war: Wann fahr ich nach Münster…bei den Baseballs ist es mit der Ansteherei leider nicht mehr sehr entspannt. Komm ich mittags, sind eh schon etliche vor mir da – und beim Einlass werde ich lahme Schnecke dann auch noch von Leuten, die später kommen, überholt. Also nichts mit Reihe 1. Warum also stundenlang vor dem Club rumhängen, wenn ich mir eh keine Hoffnungen auf einen Platz vorn machen kann. Andererseits: Erst so kurz vor Einlass zu erscheinen – das kann ich auch nicht, das widerspricht meiner Natur, glaub ich ;) – ich wählte also den goldenen Mittelweg und entscheide, so zwischen 15 und 16 Uhr dort einzutreffen. Und genauso wird es dann auch. Nach einer staufreien Fahrt lande ich um halb vier am Jovel. Ich sehe schon etliche Fans dort stehen und sitzen, aber bekannte Gesichter sind beim Vorbeifahren nicht auszumachen. Nachdem ich die Straße runter einen Parkplatz gefunden habe und sehe, dass in vielen der anderen geparkten Autos die Fans noch hocken, gehe ich aber schon mal vor zum Eingang. Ich mache einige vage bekannte Gesichter aus, aber eins fällt auf: So gut wie jeder guckt muffelig und miesmutig. Ich bin sehr irritiert. Liegt’s an mir? Was hab ich getan? Ist hier sonstwas passiert? Eigentlich ist es ein schöner Tag, trocken, sonnig, nicht zu kalt. Und man hat was Tolles vor…wieso also die strengen Gesichter?
Ich unterhalte mich kurz mit zwei Mädels aus Berlin, dann sehe ich eine Freundin aus Holland. Hurra, ein fröhliches Gesicht, ich freu mich übers Wiedersehen. Wir stehen noch eine Weile vorm Club und quatschen, aber dann verziehen wir uns auf die andere Straßenseite und hocken uns aufs Mäuerchen…Gegen 17 Uhr schicke ich mal eine SMS los und frage quasi, wo denn der Rest der Mädels, die längst hier sein sollten, ist. Na guck, die haben sich in den Beach Club verzogen, in dem das Konzert eigentlich stattfinden sollte und genießen dort die Sonne. Aber jetzt trudeln sie alle nach und nach ein und ich freu mich riesig über das Wiedersehen. Sie bestätigen aber auch meinen Eindruck um die sehr schlechte Stimmung vor dem Jovel. Drum sind sie lieber von dannen gezogen, um in Ruhe fröhlich sein zu können und verzichten dafür auf die eigentlich sichere erste Reihe.
Ein wirklich unerwartetes Wiedersehen gibt’s aber auch noch. Ein junges Pärchen schlendert auf mich zu und fragt, ob ich sie wohl noch kennen würde. Ich überlege, ich weiß genau, ich kenn sie, aber woher…sie gibt mir den Tipp: Bielefeld und klar, sofort fällt es mir auch ein. Dezember 2009, wir haben zusammen das Baseballs-Konzert dort gefeiert, haben uns super verstanden und auch hinterher noch eine Weile Kontakt gehabt, der dann aber schlagartig abbrach. Sehr zu meinem Bedauern, denn ich mochte die beiden wirklich sehr gern. Das war gleich eine gute Chemie zwischen uns vorhanden. Daher bin ich hocherfreut, die Beiden mal wieder zu sehen und muss mich erst mal updaten lassen, was bei ihnen inzwischen so alles passiert ist – und sie bekommen im Gegenzug halt mit, dass es alles nicht mehr wie in 2009 ist. So verbringen wir alle noch eine Weile quatschend unsere Zeit auf dem Mäuerchen, bis wir mal auf die andere Straßenseite zum Clubeingang wechseln.
Da geht’s Plaudern munter mit meiner holländischen Freundin weiter, so oft sieht man sich ja auch nicht. Zu meiner großen Verwunderung ist diesmal auch alles anders – es sind nach wie vor keine Gitter gestellt und es ist ja bereits kurz vor Einlass…man steht im großen Pulk vor der Tür, irgendwie nicht sehr geordnet. Aber dann – fünf Minuten vor dem eigentlichen Einlass, kommen die Ordner aus dem Club und fordern uns auf, zurück zu gehen, denn sie wollen Gitter stellen. Viel blöder geht’s nun wirklich nicht mehr, oder? Da stehen schon ein paar Hundert Leute herum und sie machen jetzt Alarm und meckern herum. Wir werden dann links und rechts quasi mit Gittern eingepfercht, was viele, die viel weiter hinten stehen, noch nutzen, um schnell mit innerhalb der Absperrung zu schlüpfen. Sehr chaotisch und auch sehr unangenehm, weil man jetzt richtig dichtgedrängt stehen muss. Ich mit meiner leichten Panik in großen Menschenmengen bin von solchen Aktionen alles andere als begeistert. Und das schärfste: Als die Gitter stehen, kommt die Ansage der Sicherheitsleute, dass diejenigen, die an die Abendkasse wollen oder aber selbstgedruckte Tickets haben, an die Nebentür müssen. Sprich: Aus der Absperrung hinaus und eine Tür weiter. Da kann man sich nur an den Kopf greifen. Denn doch etliche vor mir haben so ein Print-Ticket und müssen sich jetzt raus wühlen…
Dann geht aber auch gleich der Einlass los und der erste Schwung von Fans darf hinein. Als ich an der Tür bin, wird erst mal wieder aufgehalten und der Security-Mensch stimmt mir zu, dass diese Gitteraktion doch sehr viel zu spät gekommen ist. Als die ersten 20 kontrolliert sind, dürfen die nächsten hinein, ich bin mit dabei…in der Halle sehe ich dann, dass links und rechts außen in der ersten Reihe noch freie Plätze sind, aber natürlich werde ich überholt…aber irgendwie werde ich von allen Seiten gerufen…BiBi, hier…ich kann aber lediglich links ausmachen, wer mich ruft und orientiere mich dann dorthin…Maike ist es und meine beide Bekannten aus Bielefeld stehen auch dort. Maike lässt mich vor an ihren Platz, ich bin ihr ewig dankbar dafür  - so hab ich es tatsächlich in die erste Reihe geschafft. Ist zwar am Ende der Bühne, aber das macht mir gar nichts. Ich freu mich einfach nur. Das Ganze ist dann doch wirklich auf Kosten derjenigen passiert, die mit ihren Print-Tickets an die andere Tür mussten und dann keine Chance mehr auf Plätze vorn hatten.
Ich muss sagen, die Wartezeit verflog recht schnell, da es immer noch so viel zu erzählen gab den wiedergefundenen Bielefeldern – und auf der Bühne war ja auch noch reichlich Leben…eine riesige Leiter und Leute drauf, die die Scheinwerfer richteten, austauschten oder was auch immer.
Wir haben dann auch registriert, dass es eine Vorband gibt. Box in the Attic steht auf dem Plakat, das vor der Bühne hängt. Hm…mir kommt der Name bekannt vor, aber ich weiß auch nicht, woher. Ein bisschen graust es mich, ich hab schon so viele schlechte Vorbands erlebt und bin da doch etwas voller Vorurteile. Aber als es dann losgeht, kann ich diese über Bord schmeißen. Es ist jetzt zwar nicht 100 Prozent meine Musik, aber auf jeden Fall besser als meine Erwartungen. Funk ist der Stil der Münsteraner Band und die Frontfrau hat eine kernige Stimme und macht ordentlich Stimmung auf der Bühne. Trotzdem sind 45 Minuten für eine Vorband schon ganz schön viel, aber auch die Zeit geht ja vorbei. Unter warmen Applaus verlassen die Lokalmatadoren die Bühne und der Umbau für den Hauptact schreitet flott voran. Ich bin ungeduldig und möchte jetzt Rock’n’Roll. Dafür bin ich ja schließlich hier. Und dann gibt Tourmanager Zaki endlich Lichtzeichen zum Mischpult: Kann losgehen…juchhuh.
Erst kommt die Band auf die Bühne und beginnt…und dann die Basti, Sam und Digger. Mit „No Diggity“ geht’s los und die Stimmung ist auch sofort prima in der Halle. Dann sagt die Band musikalisch „Hello“. Flott geht’s weiter mit „Bitch“ und dem allseits beliebten „Angel“, wo die Mitsing-Chöre natürlich besonders gefragt sind. Was mich richtig nervt – war auch schon bei der Vorband so: Ich steh mit der nebenstehenden Sylvia total im Scheinwerferlicht…mal blau, mal grün, selten rot. Bah, wie unangenehm. Und es blendet auch sehr. Außerdem bin ich zu alt für so hartes Licht…in meinem Alter braucht man Mondenschein und Kerzenlicht ;)
„I don’t feel like dancing“, „I do“ und „She’s not a girl“ sind die nächsten Programmpunkte. Natürlich werden auch zwischendurch immer wieder die Mitmach-Parts eingestreut. Hießen sie im letzten Jahr noch „blöde Spiele“, sind es jetzt die „westfälischen Spiele“. So singen wir nach, was uns vorgegeben wird oder klatschen kräftig, tanzen dazu etc. Es wird nie langweilig, schon gar nicht, wenn die Herren ihre Performances machen oder die Hüften rollen lassen. Yiehaw :)
Mit „Torn“ ist auf jeden Fall einer meiner persönlichen Highlights erreicht. Ganz ruhig sitzend auf Barhockern wird der Song vorgetragen, immer wieder wunderschön. Der Übergang vom langsamen Sound in das kraftvolle „Candy Shop“ erschreckt mich immer ein bisschen, aber ich finde es auch sehr genial. Alles wieder aufwachen und Gas geben. „The Look“ passt hervorragend dazu und natürlich auch das eigene Stück „Roll thru‘ the night“ mit anschließendem großartigen Band-Solo. Eine Besonderheit gibt es heute – Drummer Tomas ist verhindert und ein Daniel vertritt ihn – und zwar auch sehr würdig. Er hat scheinbar schon seine eigenen Fans gefunden, denn in der Mitte der ersten Reihe werden Herzluftballons geschwungen, die überwiegend mit seinem Namen beschriftet sind.
Da passt es, dass er ja auch genau vor diesen jungen Damen auf dem Bühnenrand Platz nehmen kann zum nächsten Programmpunkt…Bei „Hard not to cry“ und „Follow me“, dem Akustik-Teil des Konzerts, sind alle Musiker vorn um die Mikrofone versammelt.
Doch dann zieht das Tempo wieder an und „Lets get loud“ beendet den ruhigeren Teil. Bei „Tic Toc“ gibt’s diesmal ein Drumsolo von Daniel, das auch sehr bejubelt wird. Mit „Chasing Cars“ geht’s druckvoll weiter. Bei „Hot’n’Cold“ dürfen in gewohnter Manier zwei Fans auf die Bühne – ausgesucht werden sie per Ziegelstein-Wurf (ein Glück, dass die Ziegelsteine aus Schaumgummi sind, auch wenn Sam und Basti sich sehr bemühen, den Eindruck zu vermitteln, es handele sich um echte Steine). Die beiden Mädels machen ihren Gesangspart gut und bekommen natürlich auch Applaus dafür.
Nun kommt doch der einzige mir unbekannte Programmpunkt – wow… „A big hunk o’love“, einem Elvis-Klassiker. Digger verschwindet zuvor kurz von der Bühne und kommt mit einer anderen Jacke bekleidet wieder, erklärt es damit, sehr geschwitzt zu haben. Ich bin etwas irritiert…da zieh ich keine Jacke an, sondern eher aus. Aber gut, erst einmal spielt Sam kräftig Gitarre, danach schlägt Basti ordentlich den Triangel – und dann nimmt Digger hinterm Klavier Platz und legt ein Solo hin – dabei fängt das Klavier an zu brennen – und der gute Digger auch…hinten auf dem Rücken schlagen die Flammen hoch…aha, daher die Extra-Jacke, ich verstehe. Was für eine Action, super.
Doch nun kündigt Basti auch schon den letzten Song an – standesgemäß „I’m yours“ und nochmal singen wir alle kräftig mit – dann verlassen alle Akteure die Bühne und wir rufen alle lauthals ZUGABE – und siehe da, es hilft auch in Münster, um noch mehr Rock’n’Roll zu bekommen. Mit „Never Ever“ kehren Digger, Basti und Sam in karierten Hemden auf die Bühne zurück, zaubern aus ihren mitgebrachten Köfferchen je ein Saxofon und spielen uns auch damit auf. Bei „Quit playing games“ sind nicht nur wir gefordert, ordentlich mitzuklatschen, sondern auch die Band…die dann bis auf Daniel ihre Instrumente an Sam, Digger und Basti übergeben und selber nach vorn an die Mikrofone kommen und ihre herzzerreißende Performance vorführen. I like :)
„Umbrella“ als größter Hit der Baseballs darf natürlich bei keinem Konzert fehlen und tut‘s auch heute nicht. Das Publikum wartet ja auch schon immer drauf. Danach wird das Programm dann mit „Born this way“ beendet und nach über zwei Stunden Programm ist man geschafft und glücklich. Ich verziehe mich noch ein bisschen auf das Sofa, das lustigerweise in der Ecke des Clubs steht, die Bielefelder verabschieden sich jetzt schon. Nach einer Weile verlasse ich dann aber mit Thessi, Lisa und Maike den Club und wir suchen das Mäuerchen auf der anderen Straßenseite wieder auf, wo bereits die anderen Mädels angekommen sind. So können wir noch viel plaudern, Erfahrungen austauschen und ich bin endlich wieder geupdatet, wie es den einzelnen Leuten so ergangen ist im letzten halben Jahr. Über den Rest, der sich dann hinter dem Tourbus später abspielt, decke ich mal das Mäntelchen des Schweigens. Ich wusste nicht, dass ich auch nach einem Konzert noch leichte Panikattacken bekommen kann wegen zu großer Menschenmassen. Aber man lernt ja nie aus.
Gegen 2 Uhr habe ich dann nach einem sehr schönen, aber teilweise auch wunderlichen Tag Münster wieder Richtung Norden verlassen und bin ohne Zwischenstopp müde und kaputt kurz vor 4 Uhr wieder daheim gelandet. Wie gut, dass ich mir den Freitag als Brückentag freigenommen habe, so ist genug Zeit, sich wieder zu revitalisieren ;)
-BiBi -

Fotos von The Baseballs in Münster