Dick Brave and The Backbeats in Amsterdam (Melkweg)

Donnerstag, 7. June 2012 - BiBi

Ich wusste bisher gar nicht, dass es für mich kilometermäßig relativ egal ist, ob ich nach Berlin, Köln oder Amsterdam fahre – alles so um 350 km. Also wieso nicht mal unsere holländischen Nachbarn besuchen? Besonders, wenn man dort ein Konzert erleben kann? Mach ich zwar auch nicht das erste Mal, aber diesmal war es das erste holländische Konzert von Dick Brave & The Backbeats.
Außerdem hatte ich bei der Frühjahrstour ja etwas Pech und musste die letzten beiden geplanten Konzerte in Kassel und Dortmund ausfallen lassen, weil ich mir den Knöchel verletzt hatte – somit war ich für meinen Geschmack viel zu kurz gekommen und da in Amsterdam das einzige noch bekannte Clubkonzert stattfinden sollte, hab ich doch kurzentschlossen Tickets geordert. Petra hatte sich auch schnell dazu entschlossen, mitzufahren, was ich natürlich sehr begrüßte.
Eigentlich ist es bei mir nicht so super, wenn Konzerte in der Zeit vom 1. bis zum 10. eines Monats stattfinden. Da habe ich beruflich besonders viel zu tun und kann mir grundsätzlich keine freien Tage gönnen. Grundsätze sind aber nun auch mal dafür da, gebrochen zu werden – und so hab ich fleissig gearbeitet, um die wichtigsten Sachen fertig zu stellen – es gelang und so startete ich dann am frühen Donnerstagnachmittag zwar nicht ausgeruht, aber wohlgelaunt gen Westen. Petra in Oyten aufgesammelt und weiter ging es über die gut befahrbaren Autobahnen unseres Landes. Auch ab Grenze ging es zügig weiter, aber man darf sich nicht zu früh freuen. Ca. 40 km vor Amsterdam ging es dann los mit Stop and Go, Stau hier, Stau da…boh, was war ich froh, inzwischen ein Automatik-Auto zu fahren, da ist das auch noch recht entspannt. Und Zeit hatten wir dafür ja im Prinzip auch eingeplant. Ankunftszeit hätten wir gern 18 Uhr gehabt, ist auch nur ganz knapp nicht gelungen (Schuld war das Navi, das mich einen völlig unnötigen U-Turn machen ließ – Dumme Gisela :) – und der doch sehr sehr sehr chaotische Stadtverkehr. So stellte ich mir bisher das Fahren in Südamerika oder so vor…jeder macht, was er will. Einfach mitten auf der Straße umdrehen, entgegen der Fahrtrichtung in Straßen fahren, sich quer mit dem Fahrzeug auf die Straße stellen etc. Ich war schon recht gestresst.
Als Parkhaus hatte ich mir das ausgesucht, was angeblich nur 200 m vom Club entfernt war – was aber auch als Fehlinfo herausstellte…während wir uns unseren Weg durch das Großstadtgewühl suchten, war es richtig gruselig. Hey, ich komm vom Lande, für mich ist das quasi ein Megaschock, wenn man auf den paar Metern Fußmarsch beobachten kann, wie sich mal wieder ein Auto quer in die Straßeneinfahrt stellt, einer der vielen Fahrradfahrer, die rum sausten, dem Blechkasten aufs Dach haute, dann der Fahrer raussprang und die beiden sich fast hauten. Geschreie und Gebrülle überall zu all den vielen Autos, Bussen, Fahrrädern, Rollern und zur Krönung Straßenbahnen. Ich bangte um unser Leben bei jeder Straßenüberquerung (trotz Fußgängerampel und Zebrastreifen).
Nach ein- bis zweimal fragen fanden wir dann aber auch gesund und wohlbehalten den Vordereingang vom Melkweg (zu deutsch: Milchstraße), dem Club des heutigen Abends. Kerstin und die Zwillinge waren bereits vor Ort und so wurden wir herzlich begrüßt. Ansonsten war noch niemand da – aber das änderte sich bald – wobei die Leute, die sich anstellten, nicht Dick Brave und Rock’n’Roll im Sinn hatten, sondern zum anderen Act des Abends wollten: Cypress Hill. Rap, HipHop-Style war somit angesagt – die ganzen Joints, die beim Warten konsumiert wurden, gehörten wohl einfach dazu…wir standen in den Rauchschwaden an der Tür nebenan und hatten schon Befürchtungen, mit high zu werden. Nervig war der Regen, der mal mehr, mal weniger vor sich hin pladderte…blöde Handy-Wetter-App…die hat mir seit einer Woche vorher gesagt, dass am Donnerstag in Amsterdam wunderbares Wetter sein wird. Von einer 100 %igen Luftfeuchtigkeit stand da nichts (und das auch dann, wenn es mal nicht regnete – meine dünnen Fissel-Haare waren vollkommen durchnässt, ein richtiger Bad-Hair-Day – und dann bekommst du noch von erwachsenen Personen dumme Sprüche auf Kindergarten-Niveau reingedrückt: Kommst du gerade aus der Dusche? Was haben wir gelacht…).
Unser Einlass begann aber dann trotzdem erst um 20 Uhr, nachdem die meisten der Cypress-Hill-Fans schon längst im Club waren. Aber so entspannt hatten wir das natürlich auch schon lang nicht mehr. Kein Beeilen, einfach langsam zur Bühne trödeln, denn der Andrang hielt sich ja absolut in Grenzen. Der durchaus schöne Balkon im Club war gesperrt, damit sich die Zuschauer besser vor der Bühne verteilen konnten.
Zu meiner großen Freude waren auch zwei mir von The Baseballs-Konzerten bekannte Fans vor Ort. Mariska und Chantal. Mit Mariska hab ich mich inzwischen sehr angefreundet, eine fröhliche junge Frau aus Den Haag und jedes Wiedersehen macht viel Spaß. Nachdem sie auch schon beim Dick Brave-Konzert in Münster im März war, war es klar, dass sie auch in Amsterdam dabei sein würde. Wir hatten vor dem Konzert viel zu quatschen, vor allem, weil sich die Wartezeit auch sehr in die Länge zog. War eigentlich eine Vorband angekündigt, sah man am Bühnenaufbau dann doch schnell, dass da niemand sonst mehr spielt. Mir nicht unrecht, meist hab ich eh keine Lust auf Vorbands.
Kurz nach 21.30 Uhr war es dann aber auch endlich soweit – das Konzert konnte beginnen. Da die Bühne ja ziemlich klein war, konnten keine großen Aufbauten vorgenommen werden. Die Leuchtbuchstaben waren vorhanden, aber standen nicht auf einem Podest, auch gab es keinen Vorhang, der hätte fallen können. So kamen die Musiker einfach auf die Bühne und fingen an. Auch schön :) – und auch, wenn das Publikum nicht soooo zahlreich war wie sonst, hatten alle ihren Spaß. Ob bei den Openern „Highschool Confidential“, „20 Flight Rock” und “She’s the most” oder im Laufe des Sets – die angereisten Fans (woher auch immer) haben richtig Spaß gehabt und ordentlich Alarm gemacht. Die eigenen Songs wie „The girl is trouble“, „Tonight“ oder „Look at you” werden genauso bejubelt wie die Coversongs “American Idiot”, „Rolling in the deep“, „Sitting Waiting Wishing” oder “Use somebody”. Ich finde, besonders viel Applaus gibt’s für Songs aus den Urzeiten des Rock’n’Roll wie “Lover Doll” und “Come on”.
Was mich absolut freut, sind die zwischenzeitlichen Ansagen und Erzählungen von Adriano…in fließendem Niederländisch…als früherer Student und inzwischen längst Lehrer eines holländischen Musik-Konservatoriums beherrscht er die Landessprache scheinbar ausgezeichnet und das liebt auch das holländische Publikum. Ich bin froh, dass ich im Prinzip ja weiß, was er sagt :)
Zu meiner allergrößten Freude hat es „Have Love – Will Travel“ auf die Setlist geschafft – so lange habe ich den Song nicht mehr live gehört und dabei finde ich ihn doch so klasse.
Und wie immer – viel zu schnell rast die Zeit dahin und mit „Just can’t get enough“ verabschieden sich die Musiker unter lautem Applaus das erste Mal von der Bühne…We want more wird aber sofort gerufen und die tolle Truppe lässt sich auch nicht lange bitten. Zunächst kehrt Pianist Falco allein auf die Bühne zurück – ich hoffe irgendwie, dass er sowas wie „Tulpen aus Amsterdam“ spielt, aber nee – wäre dann wohl doch zu banal. Nach seinem Solo kehren dann auch die restlichen Bandmitglieder nebst Dick zurück und weiter geht’s mit „Take good care of my baby“ und dem fulminanten „Walk this way“. Ein weiteres Mal verlassen Dick und seine Mannen kurz die Bühne, auf die sie aber natürlich erneut zurück gerufen werden.
Beim Medley „Cream/Kiss“ springt Adriano flott ins Publikum und dreht dort gitarrespielend seine ausgiebige Runde, bevor er als menschlicher Brummkreisel auf der Bühne rumwirbelt. Mit dem darauffolgenden wunderschönen „Always on my mind“ bedankt sich Dick beim Publikum fürs Kommen – und nächstes Mal sollen sie doch auch noch Freunde etc. mitbringen. Na klar, etwas voller kann es ruhig noch werden, andererseits war es toll, ein Konzert zu erleben, ohne eng gedrängt vor der Bühne stehen zu müssen.
„Great balls of fire“ bildet wie immer den wunderbaren, aufwühlenden musikalischen Abschluss und strahlend verlassen Dick Brave, Adriano Batolba, Phil X. Henson, Matt L. Henson und Falco Carress die kleine, aber feine Bühne des Melkweg…ein weiteres Wahnsinnskonzert liegt hinter uns.
Wir lassen uns auch noch viel Zeit, bis wir den Club verlassen, aber als man die Bänke, die an den Seiten standen, nach und nach weg trug, gab es auch keinen Grund mehr, länger drinnen zu verweilen. Da es inzwischen auch draußen regenfrei war, hielten wir uns noch eine lange Zeit vor dem Club auf, lernten nette Menschen kennen (auch aus Deutschland angereist…viele Grüße ins Sauerland ;) und hatten noch eine wunderbare Zeit in Amsterdam.
Aber irgendwann gegen 2 Uhr war es dann doch soweit und wir traten den Rückweg zum Parkhaus an – in der Hoffnung, dass die Stadt nachts ja wesentlich ruhiger ist…aber Pustekuchen. Heidewitzka, was hier noch los war…sämtliche Lokale und Restaurants hatten geöffnet, es wimmelte nur so von Menschen aller Couleur – tja, wie sagte mir meine liebe Mariska: The city never sleeps…so war das wohl. Nachdem wir den kleinen Schock über die Parkgebühren verdaut hatten (zum Glück war ich schon vorher drauf vorbereitet und hatte ausgerechnet, dass uns das Parken ca. 40 Euro kosten wird – und genau diese Summe war es auch), kletterten Petra und ich in mein Auto und ab ging es Richtung Deutschland. Einen Tankstopp musste ich noch in Holland einlegen, leider ist der Tank des VWs wesentlich kleiner als der meines alten Audis…so reicht’s dann nicht mehr so weit – und 1,80 Euro für einen Liter Benzin ist schon der Horror, aber war ja nun nicht zu ändern. Schlimmer war eigentlich das ganze betrunkene und zugedröhnte Volk, das die Tankstelle bevölkerte und den Aufenthalt dort sehr verlängerte, weil jeder von denen ein oder zwei Teile kaufen wollte und sich so vor der Kasse eine lange und laute Schlange gebildet hatte…waaaaah…ich will hier raus, dachte ich nur…aber dann ging es störungsfrei und ohne weitere Unterbrechung auch bis Oyten weiter, wo Petra ausgeladen wurde…weitere 10 km und ich bog um Punkt 6 Uhr auf den heimatlichen Hof ein…eine Heimfahrt im Hellen ist eine feine Sache und bei weitem nicht so anstrengend wie Nachtfahrten :D
- BiBi –

Fotos von Dick Brave & The Backbeats in Amsterdam