Cosmo Klein & Phunkguerilla in Bremen(MS Treue)

Freitag, 5. Oktober 2012 - BiBi

Kaum sechs Tage nach dem denkwürdigen Auftritt in Hamburg gibt sich die Phunkguerilla mit Frontmann Cosmo Klein heute in Bremen die Ehre – für mich schon etwas besonderes, denn ich wohne ja vor den Toren der Stadt. Habe also nur eine kurze Anreise von nicht mal 30 km. Traumhaft für jemanden, der so viel durch die Gegend reist, um gute Konzerte zu sehen.
Und etwas Besonderes auch, weil ich nur sehr selten in Bremen auf Konzerten bin. Ich finde die Parksituation in der Stadt einfach furchtbar. Dagegen sind Hamburg, Berlin oder Köln echtes Gold. Das Schildergewirr mit den vielen Verboten, die wenigen und kleinen Parkplätze in Bremen – das geht mir jedes Mal auf den Geist und deshalb meide ich es immer, dort aufzutauchen.
Aber Cosmo in Bremen – das muss einfach irgendwie gehen. Zum Glück kommt Petra ja mit und mit ihrem kleineren Wagen hat man es doch meist einfacher, in Parklücken zu kommen.
So treffen wir uns in Oyten bei Daisys Diner, ich steige zu ihr um und weiter geht’s. Einmal hinten durch die Neustadt, über die Weser und hurra, man darf sogar direkt in die Straße abbiegen, in die ich möchte. Ich war mir nicht sicher, wie die Straßenführung ist, besonders, weil auch viel dort gebaut wird. Ich hatte mir einen Parkplatz an der Weser herausgesucht, wo ich mal vor ein paar Jahren betreffs eines Vorstellungsgespräches geparkt hatte. Dort ist man direkt an der Schlachte, der Flaniermeile an der Weser – denn das heutige Konzert findet auf der MS Treue, einem sogenannten Betonschiff statt. Ich bin sehr gespannt, wie das da so aussieht, denn auf den Fotos, die ich von der MS Treue gefunden hatte, sah es mir aus, als wenn es eine Open Air Veranstaltung wird. Was fatal wäre, denn es ist ein kühler Tag. Tagsüber gab es sogar heftigen Sturm, der sich aber jetzt abends gelegt hatte. Also wohl doch keine Seekrankheit beim Konzert :D – ein Glück.
Auf dem ausgesuchten Parkplatz sind auch tatsächlich freie Stellplätze. Ich freu mich sehr – und als wir entdecken, dass dort rund um die Uhr Parkgebühren zu entrichten sind, aber die höchste Parkdauer 2 Stunden beträgt, entscheidet Petra, gleich mal gar nichts zu zahlen…ich kann ihr nur zustimmen. Ob abends noch Politessen rumrennen, ist fraglich – und wenn, dann gibt’s einen kleinen Bon und das ist meist billiger als die Parkgebühr selber.
So gehen wir dann an der Kaimauer der Schlachte entlang, eine Ebene unter uns steht schon das Cosmobil vor der MS Treue. Aber wir müssen ja erst einmal Treppen suchen, um nach unten zu kommen…Am Ende der Straße sind sie, und so finden wir uns am Übergang zum Schiff…ist wohl schon Einlass, die Leute, die eben noch da standen, sind inzwischen rein gegangen. Wir also hinterher und ich bin sehr überrascht, dass unten im Schiff schon alles voller Menschen ist. Holla die Waldfee, wo kommen die denn schon alle her? Naja…aber ist quasi der Thekenraum…in den Konzertraum geht’s erst 10 Minuten später. Da sind Petra und ich dann wieder ganz vorn dabei und suchen uns einen schönen Platz rechts vor der flachen Mini-Bühne. An der Seite stehen Tische, gut um Sachen abzulegen und sich dagegen zu lehnen oder gleich drauf zu hocken.
Petra bietet an, etwas zu trinken zu holen. Ich nehme dankbar an, bitte um eine Cola Light – und bekomme die schlechteste, die ich je getrunken habe. Kalt ist sie, aber auch dermaßen alt und abgestanden, das dieses Glas den ganzen Abend reicht, weil ich das nur in minimalen Schlucken runter bekomme. So macht man sicher keinen Umsatz und jede Gastronomie sollte sich schämen, so eine alte Plörre zu verkaufen. Petra bietet zwar an, sie umtauschen zu gehen, aber das lehne ich dann doch ab. Doof eigentlich…naja…mit mir machen die an dem Abend auf jeden Fall kein weiteres Geschäft. Strafe muss sein.
Da es heute eine Vorband geben soll, bin ich einigermaßen gespannt, was da auf uns zukommt…bin ich doch kein Freund von Vorbands, ist selten was Gutes dabei. Aber als es dann los geht, stellt sich heraus, doch, die Jungs taugen schon was. Obwohl ich denke, dass sie sich noch nicht so richtig gefunden haben in Bezug auf ihren Musikstil, sind durchaus gute Sachen dabei. Eine Band aus Bremen, die sich gerade umgenannt hat in Parkhaus Nord *gg* - mal ein lustiger Name, aber seit Tokio Hotel ist ja alles möglich.
Die spielen Rock mit mal funkigen, mal Ska-Einflüssen, auch Reggae ist dabei. Mal sind’s englische Texte, mal deutsche. Sie singen von Königen ohne Krone oder von der Frau, die man nicht braucht. Ja, größtenteils gefällt es mir. Der Saxophonist ist auch Flötist. Der Gitarrist ist auch der Sänger. Sonst gibt’s noch Bass, Synthesizer und Drums.
Die Jungs spielen gute 45 Minuten – und dann ist Umbaupause, denn die Phunkguerilla muss ja auf die kleine Bühne.
Der Raum ist echt gut gefüllt und das Publikum sehr gespannt. Ich entdecke auch hier keine Fans aus früheren Jahren, die, mit denen ich rede, kennen Cosmo eher von seinen Clubbing-Auftritten und sind gespannt, wie das so live mit Band an der Seite wird.
Und dann geht’s endlich los mit dem Haup-Act…juchhuh…und ich finde, Cosmo, Maya und die gesamte Band sind heute noch besser drauf als in Hamburg vor einer Woche. So wunderbar, wie das heute groovt und phunkt und rockt und überhaupt. Das Set ist gleich wie in Hamburg, „Love In Progress“ eröffnet den musikalischen Reigen und ich finde, die Bremer sind auch gleich gut drauf. Cosmo muss nicht lange um Hände hoch und mitsingen betteln. Leider ist auch hier ein Mikro mit Kabel am Start, so dass er es nicht ins Publikum schafft, aber vor der kleinen Bühne steht eine Box und dorthin verschlägt es ihn häufiger, um alle kräftig zum Mitmachen zu animieren.
Jeder Song kam super an – „Ooh“, „Beautiful Mind“, „Grandpa“, „Boyz & Girls“, “Trilogy”, “When lil boys”…alles wird abgefeiert und heißgeliebt. Die Bremer sind begeistert, ich sowieso – und man wundert sich, dass das Schiff nicht hin und her schwankt bei den vielen tanzenden Füßen.
All das wird aber auch heute getoppt von „Lets work“ und auch wenn ich immer denke, heftiger kann’s nicht kribbeln, dann täuscht mich das. Dieser treibende Rhythmus ist das, was MIR unter die Haut geht, aber so richtig. Bin wohl dann nicht der Balladen-Typ – nein, mir steigen bei „Lets work“ vor Begeisterung die Tränen in die Augen und ich muss mich danach erst einmal fangen. Aber auch gleichzeitig nach Zugabe rufen…bin ja mulittasking-fähig, so gelingt das…denn einen wollen wir noch, das ist mal klar. So kehrt die tolle Truppe um Cosmo Klein auch wieder zurück auf die Bühne (ich bin immer noch erstaunt, dass so viele Leute dort Platz finden, man ist ja wieder zu acht unterwegs in gleicher Besetzung wie in Hamburg). Auch heute ist „Everlasting Now“ der krönende Abschluss und unter dröhnendem Applaus verbeugen sich die Musiker und lassen sich zu Recht feiern. Danke für diese tolle musikalische Darbietung im beschaulichen Bremen :)
Der Raum leert sich eigentlich relativ flott, klar, viele gehen rauchen – oder ziehen weiter durchs Bremer Nachtleben. Petra und ich bleiben noch eine Weile, quatschen hier und da, aber dann zieht es uns auch nach draußen. Da es nicht so kalt ist, wie es aussieht, bleiben wir auch dort noch ein wenig an der Weser, aber dann fällt uns ein, dass wir eigentlich heute die ideale Gelegenheit haben, bei Daisys Diner in Oyten zu essen. Wir wollen das so oft, aber wenn man z. B. im Ruhrpott auf einem Konzert ist, fahren wir auch nicht erst hungrig drei Stunden, bis wir kurz vor zu Hause endlich was zu essen bekommen. Aber heute lassen wir es uns dann bei Daisys mit famosen Riesen-Burgern schmecken und fahren dann beide leicht ermattet, aber glücklich und zufrieden unseres Weges…in der Hoffnung, dass es nicht wieder über ein Jahr dauert, bis wir die Phunkguerilla wieder sehen dürfen.
- BiBi -
Fotos von Cosmo Klein & The Phunkguerilla in Bremen und
Fotos von Parkhaus Nord