Boppin' B in Hameln (Sumpfblume)

Freitag, 8. März 2013 - BiBi

Das Jahr hat arbeitstechnisch schlecht angefangen – sehr schlecht. Eine Betriebsprüfung nach der anderen kündigte sich bereits in der ersten Januar-Woche an – der Horror für eine Buchhalterin wie mich, die mehrere Firmen bearbeitet. Dann noch Winter – wo ich Autofahren hasse.
Aber langsam lichtet sich das Chaos, die ersten Frühlingsboten sind auch da gewesen. Also Zeit, wieder ins Live-Konzert-Geschehen einzugreifen. Und mit Boppin‘ B hatte das Jahr 2012 für mich aufgehört, also fängt es auch mit den Aschaffenburgern 2013 wieder an.
Damit auch nichts schief geht, mir keiner einen Strich durch die Rechnung macht, hab ich mir mal meinen ersten Urlaubstag im neuen Jahr gegönnt…davon hab ich eh noch reichlich. So konnte ich entspannt bleiben, ausschlafen, noch einkaufen gehen, Auto voll tanken, in Ruhe fertig machen – und dann kurz nach 17 Uhr starten. Erst die Frau Mama abholen, die eigentlich gar nicht so gut zuwege ist…eine ordentliche Bronchitis hat sie sich eingefangen, japst nach Luft und ich frage sie, ob sie wirklich mit möchte. Aber für sie gibt es ja kein Halten, wenn es zu „ihren“ Jungs geht. Jut, wer würde einer fast Achtzig-Jährigen diese Freude nehmen wollen.
In Oyten bei Daisys Diner treffe ich mich dann noch mit Jenny aus Oldenburg – sie hat ihre Schwester Tanja dabei und ich bezweifle, dass es gut klappt, beide auf den Rücksitz zu verfrachten. Immerhin fahr ich nicht mehr den großen Audi, sondern der Vento ist schon etwas enger und hinter mir ist nur sehr wenig Platz. Aber beide ruscheln sich zurecht und so können wir dann los.

Die Fahrt verläuft ohne große Probleme, trotz Freitagsverkehr. Wir plappern fröhlich vor uns hin und kommen so kurz vor halb acht in Hameln am Club an. Ist immer ein bisschen schwierig, abzuschätzen, wann Einlass und wann Beginn ist, wenn einfach nur 20.30 Uhr irgendwo steht. Ich hab einfach mal angenommen, dass ist der Beginn und Einlass eben eine Stunde früher. Und so ist es auch. Nur noch ein kurzer Sprint aufs Klo im angeschlossenen Cafe und dann geht’s auch schon in den kleinen Saal der Sumpfblume.

Ich finde es hier sehr angenehm, denn außer, dass es am Rand Stehtische und Barhocker gibt, stehen auch verteilt so große Stufen…zwei Etage, quasi. Kann man unten hocken, kann man oben hocken. Genau so einen steuere ich gleich an, denn für die Mama ist das klasse. Sie kann oben sitzen und gut gucken. Und ich mag es auch, zwischendurch mal Platz nehmen zu können. Also richten wir uns dort ein, Jenny und Tanja beziehen die Barhocker daneben, Getränke werden geholt. Bald drauf kommen auch schon mir bekannte Fans, wir plaudern ein wenig, denn ich bin ja sehr gespannt. Immerhin ist es mein erstes Konzert mit dem neuen Sänger der Band – Sebastian hat die Nachfolge vom Micha angetreten, der nun lieber in Familie machen möchte und quasi in Rock’n’Roll-Rente gegangen ist.
Wird mir der Neue gefallen? Ich frage die anderen, die ihn bereits erlebt haben und nur Gutes zu berichten wissen.

Und kurz vorm Konzert lässt der Neue sich dann auch blicken – ich ergreife mit meiner vorlauten Klappe auch gleich die Gelegenheit, mich mal vorzustellen. Gut, von den Konzert-Junkies hat er noch nix gehört, aber das wird sich ändern ;) – ich entschuldige mich nur quasi dafür, dass ich doch häufig fotografiere.
Wir sind noch am überlegen, ob das Konzert wirklich um halb neun anfangen wird. Ich denke ja eher nicht, denn es ist noch nicht sehr voll im Club, aber Hameln ist eigentlich nie besonders überfüllt. Trotzdem schön, dass die Band doch immer wieder dorthin gebucht wird.
Doch so viel Verspätung haben die Herren gar nicht…plötzlich wird’s dunkel und das Intro zum Album Monkey Business erklingt. Huch…schnell vor zur Bühne. Und nicht, dass einer denkt, die Mama bleibt oben auf ihrem Platz sitzen. Nix da, zack steht sie neben mir in der ersten Reihe :D – wunderbar.

Los geht’s mit „Call it Rock“n“Roll“ – ich lausche sehr gespannt, finde aber den Ton etwas schlecht und kann Sebis Stimme nicht so gut ausmachen, wie ich es gern hätte. Bei „Mercury“ wird es schon besser. „Honey Hush“ folgt, aber ohne die altbekannte Aufforderung, ein langgezogenes WEEEELLLLL zu singen. Das finde ich gut, denn der neue Frontmann soll ja nicht den alten kopieren, sondern seinen eigenen Style mitbringen und weiter entwickeln.
Wobei das folgende „Sh-Boom“ dann doch etwas komisch ist – das hab ich so oft vom Micha gehört – aber gut, auch ich brauch ein bisschen Eingewöhnungsphase. Bei dem langsameren und leiseren „I can’t dance“ kann man dann endlich auch Sebis wirklich schöne Stimme gut hören.
Auch seine Interaktion auf der Bühne zusammen mit Golo bereitet Freude – den restlichen Bandmitgliedern merkt man sowieso eine sehr große Spielfreude an. Lediglich Frankie ist manchmal etwas unterbeschäftigt – einige Songs hintereinander ohne Saxofon-Einsatz machen ihn etwas arbeitslos…aber er nutzt die Zeit und gibt einige Tanzschritte zum Besten, was auch gleich von Didi wortreich aufgegriffen wird.

Weiter geht’s mit „16 Chicks“, „Ruby“ und „Hot Rod Girl“ – liebe ich alle…Doch dann…nein, wie kann es anders sein – auch heute ist „Chemical Reaction“ im Programm…gut, für mich dann Zeit, mal zum Platz zu gehen und mich hinzusetzen. Tanja hat es längst gemacht – die Mama hält weiter tapfer vor der Bühne durch, kommt erst etwas später, als ihr die Knie zu sehr schmerzen.
Durch Sebastian, der zwischendurch immer wieder mal zur Akustikgitarre greift und einmal sogar zur Posaune (glaub ich zumindest, dass es eine war – man möge mich berichtigen, wenn es falsch ist), gibt’s auch den einen oder anderen Song, den ich aus dem Boppin‘ B-Programm nicht kenne. Zum Beispiel „Good Gully Miss Molly“…supergut, finde ich. Oder den einen oder anderen Countrysong.
Aus den Boppn‘ B-Alben gibt es auch einen guten Querschnitt…“Rules of Rock’n’Roll“, „Jump jive and whail“, „Up jumped the devil“, „Rockin Rollin Stone“, z. B. Superschön ist heute auch „Enjoy the silence“ – auf „If you believe“ bin ich natürlich besonders gespannt, aber das macht Sebastian super. Gerade zum Schluss, wo der Song ja nochmal richtig Fahrt aufnimmt, mag ich seine Performance.

Dass Golo endlich mal wieder „Ubangi Stomp“ singt, freut mich auch ganz arg. Lange ist es her, dass ich das mitbekommen habe. Nur eins hätte ich (neben „Chemical Reaction“ ) nicht gebraucht – und zwar „Broken Hearted Story“. Das gehört für mich irgendwie fest zu Michas Stimme. Auch wenn der Song schon sehr viel älter ist als das Micha in der Band dabei war – ist aber mein ganz persönliches Empfinden. Nicht, dass der Sebastian das schlecht gemacht hat, nein, das gewiss nicht.
Nach „How low will you go“ wird das Set dann mit „Bop won’t stop“ beendet – aber zum Glück gibt es viel Applaus und so lassen sich die Herren nicht lumpen und geben natürlich eine Zugabe, bestehend aus „King of Bongo“, „Radio“ und „Mambo No. 6“ – aber danach ist dann leider auch wirklich Schluss. Schade…ein zweiter Zugabeblock wäre auch toll gewesen. Naja, vielleicht nächstes Mal.
Wir kehren zurück zu unserem Sitzblock, bleiben noch ein bisschen, plaudern hier und da – aber obwohl es eigentlich noch sehr früh ist, beschließen wir dann doch, die Heimfahrt anzutreten. Wird ja auch sehr leer im Saal. So sagen wir überall tschüss und um 23.15 Uhr fahre ich vom Hof der Sumpfblume.

Da wir alle hungrig sind, mach ich noch einen Zwischenstopp bei einem Mac Donalds. Schlimmer Laden. Ich bin ja eh kein Mäckes-Freund, aber solch eine verschlissene und verrottete Einrichtung hab ich noch in keinem McDonalds gesehen. Holzbänke, Uralt-Tische, knarrende wackelige Stühle, Fett auf dem Fußboden, dass man sich fast auf die Klappe legt. Eieiei…Naja, ich spendiere der Mama und mir einen Fisch-Mac mit Pommes und Getränk, noch ein paar Chicken Nuggets dazu – der Hunger treibt es rein. Ich bin aber froh, als wir aus dem Laden raus sind. Also Leute, Mac Donalds Barsinghausen ist nicht schön!
Nachdem ich Jenny und Tanja in Oyten an ihrem Auto abgesetzt habe, fahre ich meine Mutter heim und bin um halb drei auch endlich selber am Ziel…zurück blickend auf einen schönen musikalischen Abend mit vielen neuen Eindrücken und der Gewissheit: Jawoll, der Neue ist super! Gut ausgesucht, Jungs – gut gemacht, Sebastian ;)

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Fotos von Boppin‘ B in Hameln