The Piano Guys in Berlin (Admiralspalast) - von Gastautorin Uta

Mittwoch, 20. März 2013 - BiBi

Dies ist eine Premiere - gleich in vielfacher Hinsicht. Zum Einen ist es mein erster eigener Konzertbericht, obwohl ich hier schon mehrfach als Freundin und Konzertbegleiterin von BiBi aufgetaucht bin, zum Zweiten ist es mein erstes Konzert so ganz ohne BiBi und zum Dritten ist es auch eine Premiere für den von uns besuchten Showact gewesen.
Aber mal von Beginn: Im letzten Sommer zeigte mir mein Sohn im Internet ein Video, das mich sofort fasziniert hat. Dort spielten 5 Männer an einem einzigen Klavier – gleichzeitig. Aber sie schlugen nicht etwa zehnhändig in die Tasten, sie entlockten dem Klavier Töne, von denen ich nie gedachte hätte, dass man solche Töne mit einem Klavier erzeugen könnte. Sie zupften die Saiten und trommelten am Korpus und selbstverständlich benutzten sie auch die Tasten und heraus kam eine sehr harmonisch klingende Melodie. Ich war begeistert und fragte, wer denn das wäre. THE PIANO GUYS, erklärte er mir und zeigte mir weitere faszinierende Videos, die das Quintett auf einem eigenen Kanal im Internet veröffentlicht hatte, instrumentale Musikstücke gespielt auf Klavier und Cello in atemberaubenden Landschaften. Eine für mich perfekte Mischung aus peppiger Klassik, gefühlvollen oder poppigen Coverversionen und mitreißende Eigenkreationen.
Da es die Musik der „Pianomänner“ in Deutschland nicht gab, ließ sich mein Sohn die CD aus den USA schicken und meinte: Wenn ich mal viel Geld habe, kauf ich mir ein Flugticket in die USA und schau mir die mal live an. Bis dahin hören wir uns eben die CD an.
Es war ein mehr als ungewöhnlicher Zufall, dass ich spät abends online die ersten Deutschlandtickets der Piano Guys entdeckte, am 20. März 2013 sollte es im Berliner Admiralspalast ein Konzert geben. Ich mailte es sofort meinem Sohn weiter. Als ich morgens mein Mailpostfach öffnete, erreichte mich die schönste Überraschung dieses nicht enden wollenden Winters, er hatte noch nachts 3 Tickets geordert, für sich, für mich und für seinen Studienfreund, welcher ebenfalls vom Piano-Guys-Virus infiziert ist.
Am frühen Nachmittag des 20. März machte ich mich bei leichtem Schneefall auf den Weg, zuerst nach Magdeburg, meine beiden Begleiter aufsammeln und dann weiter nach Berlin. Zum Glück hörte der Schneefall bereits vor Magdeburg noch auf und wir kamen wie geplant um 18 Uhr in Parkhaus des IHZ an. Das Konzert sollte im Studio des Admiralspalastes stattfinden, als Einlass war 19 Uhr auf den Karten angegeben, also machen wir uns als erstes auf den Weg, die Location ausfindig zu machen. Nach einiger Verwirrung, ob wir nun die Friedrichstraße nach rechts oder links gehen sollten und uns natürlich prompt für die falsche Richtung entschieden, standen wir dann doch auf dem Innenhof des Admiralspalastes, fanden den Eingang zum Studio, eine verschlossenen Glastür mit Klingel. Sind wir hier richtig? Da aber in dem Moment Leute kamen, klingelten und ihnen die Tür geöffnet wurde, schlichen wir uns neugierig einfach mit rein.
Die Stufen zum 4. Obergeschoss nahmen wir, den Aufzug ignorierend, ganz sportlich. Oben angekommen hörten wir bereits uns bekannte Klänge, aber es war niemand zu sehen. Sicher Soundcheck, also gingen auch wir erst einmal eine Kleinigkeit essen, holten noch die Kamera aus dem Auto und standen kurz nach 19 Uhr wieder im Innenhof, wo wir die Glastür diesmal geöffnet vorfanden und dort bereits nach unseren Karten gefragt wurden. Stolz zeigten wir unsere Karten vor und durften eintreten. Treppensteigen? Ja klar.
Im Foyer des Studios fanden wir nun schon einige Besucher vor und es füllte sich auch zusehends. Das Publikum war bunt gemischt durch alle Altersgruppen, Männer, Frauen, Kinder. In einer Ecke des Foyers konnte man die in Januar nun auch in Deutschland erschienene CD/DVD der Guys kaufen und potenzielle Käufern wurde mitgeteilt, dass diese im Anschluss an die Veranstaltung auch von den Künstlern signiert werden würde. Mein Sohn strahlte, hatte er doch in weiser Voraussicht seine bereits im Januar erworbenen CD eingepackt.
Irgendwann wurden die Aufgänge zum Studio geöffnet und ohne weitere Kontrollen konnten wir unsere Plätze im Studio einnehmen. Das freute uns besonders, hatten wir doch Bedenken, dass man uns am Einlass den Einritt mit der Kamera verweigern würde. Mein Sohn hatte für uns Karten in Reihe 8 ergattert, aber da die Publikumsreihen recht steil aufstiegen, hatte man sogar aus den oberen Reihen noch einen perfekten Blick auf die Bühne.
Dort standen ein Konzertflügel und verschiedene Cellos, während im Hintergrund eine große Videoleinwand hing. Fein, freuten wir uns, die so toll gemachten Videos werden uns also nicht vorenthalten. Noch kurz vor Beginn erreichte mich jedoch eine frustrierende SMS aus der Heimat. Zuhause waren bereits 5 Zentimeter Neuschnee gefallen, es würde also eine lange und anstrengende Heimfahrt werden.
Nein, daran wollte ich jetzt nicht denken, wir fieberten einer hoffentlich gelungenen Deutschlandpremiere der Piano Guys entgegen.
Fast pünktlich kurz nach 20 Uhr erlosch das Licht und ein Video mit englischsprachigen Zitaten mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten, begleitet von angenehmer Musik, stimmte uns auf die kommenden hoffentlich unendlich langen Minuten oder Stunden ein. Als das Video endete, saß Jon bereite am Piano und Steven am Cello und ein unglaublicher Abend begann.
Leider ist es mir hier nicht mehr möglich die komplette Setliste wieder zu geben, da ich jeden Augenblick so sehr genossen habe, dass ich völlig dabei vergaß, mir die Stücke zu notieren.
Nach dem ersten Song wurden wir von Jon begrüßt – perfekt auf Deutsch und er erzählte uns, dass er quasi Deutscher wäre, weil seine Eltern ursprünglich aus Hamburg kämen und in den 1950er Jahren nach Amerika übergesiedelt waren. Darum wurde bei ihm zuhause viel deutsch gesprochen. Entsprechend wollte uns Steven natürlich auch sofort seine Schul-Deutschkenntnisse präsentieren, von denen ihm noch „Wann ist Ihr Geburtstag?“ und „Was machen Sie in Ihrer Freizeit?“ hängen geblieben waren. Aha, es scheint also nicht nur ein musikalisch ansprechendere Abend zu werden, sondern auch ein sehr unterhaltsamer.
Und Jon und Steven gaben ihr Bestes. Zwischen den Songs wussten uns beide immer wieder mit witzigen Anekdoten und deutsch-englischen Wortplänkeleien zum Lachen zu bringen. So hat Steven sich beispielsweise darüber beschwert, warum sie eigentlich The Piano Guys heißen und nicht The Piano & Cello Guys. Weiterhin erfuhren wir, dass dieses Konzert nicht nur eine Deutschlandpremiere wäre, sondern ihr allererstes Konzert außerhalb der USA überhaupt. Wow, ich persönlich fühle mich besonders stolz bei diesem dabei gewesen zu sein und es war mit Sicherheit nicht mein letztes.
Aber selbstverständlich wurden wir auch musikalisch und visuell verwöhnt. Es war für mich äußerst faszinierend, wie viele verschiedene Töne auch Steven aus seinem elektrischen „Zauber-Cello“ holte, manchmal hatte man das Gefühl, ein ganzes Orchester zu hören. Sogar ein vorbeifahrendes Martinshorn konnte er imitieren. Und ich lernte, dass man ein akustisches Cello nicht nur streichen, sondern auch zupfen und schlagen kann. Aha! Jon dagegen begeisterte mit einem auf dem Rücken mit dem Kopf unter dem Klavier liegenden, mit überkreuzten Händen blind gespielten Stück. Wahnsinn!
Beide spielten Stücke aus dem Album, zu einigen wurden die sensationellen Videos gezeigt. Immer wieder mitreißend die Aufnahmen zu „Charlie Brown“ im Seniorenheim, atemberaubend die Bilder zu Peponi, was wie uns Jon erklärte Suaheli ist und Paradise bedeutet, jaja die Bilder im Video auf einer 1.000 Meter hohen Klippe zeigen das eindrucksvoll. Geheimnisvoll das Video zu Code Name Vivaldi, wo Jon und Steven auf einem fahrenden Zug spielen, witzig das Video zu Cello-Wars, das nach einer Inspiration durch Stevens Sohn entstand, nachdem der seinen Vater fragte, warum man das Cello nicht mit Laserschwertern spielen könne. Und so konnten wir uns tatsächlich davon überzeugen, dass man Cellos mit Laserschwertern spielen kann. Sehenswert!
Völlig neu war für mich die Interpretation von Rockelbel’s Canon, das bisher auf keiner CD zu finden ist. Steven erklärte uns, dass er das Stück nicht unbedingt sehr mag, da sein Part am Cello nur aus 8 Tönen besteht, die in Wiederholung zu spielen sind. Entsprechend fühlte er sich dabei dermaßen unterfordert, dass er sich während des Spiels sehr langweilte und noch andere Tätigkeiten nebenbei auszuüben begann, wie zum Beispiel Banane essen. Am Ende schlief er sogar ein. Als auch Jon sein Spiel abbrach, wachte Steven wieder auf und legte sofort mit einem Rock’n’Roll auf seinem Cello los. Das ging Jon wiederum so in die Beine, dass er ausgelassen über die Bühne tanzte. Göttlich!
Das Publikum hatte auf jeden Fall genau so viel Spaß wie die Künstler dort unten. Beide wurden mit sehr viel Applaus belohnt und zum Weitermachen animiert.
Aber letztendlich ist auch das schönste Konzert irgendwann mal zu Ende. Zum letzten Song wurden schließlich Al und Paul auf die Bühne gebeten, die bis dahin im Publikum saßen und sie spielten für uns diesmal achthändig das Klavierstück, durch das ich ursprünglich auf die Piano Guys aufmerksam geworden bin.
Mit Standing Ovations wurden die Musiker wieder auf die Bühne geholt, was Steven mit den Worten quittierte, er wäre enttäuscht gewesen, wenn er nicht nochmal hätte kommen dürfen, weil er noch weiter spielen möchte.
Nach zwei weiteren Songs verabschiedeten sich die Beiden abermals um wiederum mit Standing Ovations auf die Bühne zurück geholt zu werden.
Aber nach nochmals zwei Songs war dann endgültig Schluss. Warum müssen gerade die schönsten Konzerte gefühlt doch immer viel zu kurz sein? Ein Großteil des begeisterten Publikums nahm die Gelegenheit wahr und fotografierte auf der Bühne noch die Instrumente oder sich selber oder sich mit den Instrumenten.
Etwas später erschienen Jon, Steven, Al und Paul tatsächlich im Foyer, wo geschätzt die Hälfte des Publikums auf die versprochenen Autogramme wartete. Bei lockerer Stimmung wurden CDs und Tickets signiert, nette Gespräche geführt und viel gelacht. Paul und Al erzählten uns, dass sie sogar vor ein paar Tagen in Magdeburg zu Gast gewesen wären. Was für ein Zufall, zum ersten Mal in Deutschland und gleich in Magdeburg, meine beiden Begleiter staunten nicht schlecht.
Gegen 23 Uhr verließen wir drei als stolze Besitzer mehrerer signierter Tickets und CDs in absoluter Hochstimmung nach einem bombastischen Abend das Studio des Admiralspalastes um entsetzt festzustellen, dass das Schneefallgebiet uns inzwischen von zuhause nach Berlin gefolgt war. Auch hier 5cm Neuschnee und der Berliner Winterdienst hatte mit Sicherheit keinen Wetterbericht gehört, er ließ sich nämlich nicht sehen.
Und so schlichen wir über verschneite Straßen bis zur Autobahn um dort auf wenigstens zwei geräumten Spuren den Heimweg antreten zu können.
Mit einer Stunde Verspätung setzte ich meine beiden Begleiter wieder in Magdeburg ab, um mich dann allein auf die letzte einstündige Strecke bis nach Hause zu machen.
Auf jeden Fall werden wir drei auf der ersten Deutschlandtour wieder dabei sein, die uns Jon und Steven versprochen haben und wer neugierig geworden ist, worüber ich hier überhaupt geschrieben habe, der kann sich die sensationellen Videos jederzeit auf dem YouTube-Kanal von The Piano Guys ansehen.

- Uta -

Fotos von The Piano Guys in Berlin