Sascha Grammel in Magdeburg (Getec-Arena) - von Gastautorin Uta

Samstag, 16. November 2013 - BiBi

Juchhuh, heut geht’s zum Sascha. Jaja, zum Sascha mit „c“ im Namen, nämlich zum Sascha Grammel. Ein ganz besonderes Event für mich, auf das ich mich wie eine Schneekönigin freute. Kein Konzert, Puppen-Comedy würde uns erwarten. Eigentlich hatte ich mich für diese Veranstaltung ganz spontan entschieden…. aber schon vor 17 Monaten.

Als ich im Juni 2012 aus dem Urlaub kam, empfing mich eine Informationsmail meines Ticketanbieters, dass Sascha Grammel wieder auf Tour wäre. Hm… den würde ich mir schon mal gerne live angucken und da das Jahr 2012 nicht viele weitere Konzertaktivitäten für mich zu bieten schien, schaute ich nach den Tourdaten. Zu meiner Überraschung waren die aber alle bereits für das Jahr 2013, nun macht nix, am 16.11.2013 würde er in der Stadthalle in Magdeburg auftreten. Ach, das ist noch sooo lange hin, da kann ich die Karten auch noch später kaufen. Trotzdem hab ich gleich mal geschaut wie viele Plätz denn noch frei wären und wurde wiederum überrascht. Für die Veranstaltung, die in 17 Monaten stattfinden würde, waren der größte Teil der Karten bereits verkauft. Das darf doch nicht wahr sein! Noch ehe mein Hirn richtig weiter denken konnte, hatten meine Finger die drei freien Plätze in der 7. Reihe schon in den Warenkorb gelegt. Jetzt war er also fest, der Familienausflug in 17 Monaten zur Puppencomedy von Sascha Grammel nach Magdeburg. Was wohl bis dahin noch alles passieren würde?

Das Schöne an so lange geplanten Unternehmungen ist natürlich, dass man die Vorfreude so richtig lange auskosten kann. Irgendwann kam die Mitteilung, die Veranstaltung würde von der Stadthalle in die noch größere Getec-Arena verlegt werden. Der Sascha ist begehrt.
Und nun war es soweit. Am Nachmittag des 16. November machte ich mich bei schönstem Sonnenschein mit meinem Mann auf den Weg nach Magdeburg, wo unser Sohn seit ein paar Jahren wohnt. Den Kofferraum voll mit Gaben von Omas und Opas, damit das Enkelkind in der Großstadt nicht verhungert.

Die Gaben ausgeladen, den Sohn eingeladen fuhren wir ziemlich zeitig zur Arena. Zum einen befürchteten wir ein Verkehrschaos, da eine der Hauptverkehrsbrücken über die Elbe zur Arena nach dem verheerenden Hochwasser im Juni diesen Jahres wieder instandgesetzt wurde und daher voll gesperrt war, zum anderen kamen die traumatischen Erinnerungen an den Februar diesen Jahres in mir wieder hoch, als ich auf dem Weg zu einer Veranstaltung in die Arena eine Stunde vor Beginn nur 500 Meter vor dem Arenaparkplatz für 45 Minuten im Stau feststeckte und mir dann direkt vor der Nase die Zufahrt zum Parkplatz wegen Überfüllung verwehrt wurde. Fremd in der Umgebung suchte ich verzweifelt nach einer Parkmöglichkeit um dann genau zum Veranstaltungsbeginn völlig abgehetzt auf meinen Platz zu sinken. Das passiert mir nicht noch einmal, diesmal waren ich entsprechend gut über Ausweichparkmöglickleiten und Ausweichanfahrtmöglichkeiten informiert, so dass wir ganz entspannt und rechtzeitig unsere Plätze in der 7. Reihe einnehmen konnten.

Der Blick zur Bühne war hervorragend, rechts und links neben der Bühne waren große Videoleinwände installiert und auf der Bühne konnten wir bereits das tolle Bühnenbild bewundern. Dort hatte man kleine niedliche Häuschen aufgebaut und wer mit den Puppen von Sascha Grammel vertraut war, konnte erahnen, dass es die Häuser von Josie, das die Form eines mit Herzchen verzierten Schildkrötenpanzers hatte, von Frederic Freiherr von Furchensumpf, das einem kleinen Hexenhäuschen glich und von Prof. Doktor Peter Hacke in Form eines überdimensionalen Hamburgers waren. Außerdem stand rechts am Rand noch etwas, das einer Weltraumrakete ähnelte.

Obwohl die Veranstaltung ausverkauft war, gab es in den ersten Reihen im rechten und linken Parkett noch etliche freie Plätze. Ich vermutete jedoch, dass man diese Plätze mit Absicht nicht besetzt hatte, da die Sicht auf die Bühne wegen des spitzen Winkels von dort nicht optimal war.
Pünktlich um 20 Uhr erschien auf den Videoleinwänden ein Video, in dem uns gezeigt wurde, dass Herr Grammel sich einen großen LKW gekauft hatte. Damit wurden große Metallstangen transportiert und große Kisten. Die Kisten hatten Rollen und dann gabs da noch viele Leute, die die großen Kisten durch die Gegend rollten und die Metallstangen verschraubten. Man konnte erahnen, dass es sich um den Tourtruck und die Bühnenvorbereitungen handelte. Letztendlich fragte der Sprecher sich jedoch, warum er uns das alle erzähle und beantwortete sich die Frage sofort selber: „Keine Ahnung!“

„Keine Ahnung!“, das ist der Titel der Show und unter tosendem Applaus kam Sascha Grammel auf die Bühne. Als erstes riss er die Arme wie ein Sieger in die Höhe und rief „Bambi“. Er zeigte uns wie sehr er sich über die Auszeichnung freute, die ihm zwei Tag zuvor verliehen worden war. Diese Freude ließ er auch in sein Programm einfließen, in dem auch in den unterschiedlichen Programmteilen immer wieder ein Bezug auf das Bambi vor kam. Dann stellte er uns die unterschiedlichen Häuser vor, in denen wie von mir schon richtig vermutet Josie, Frederic und Prof. Dr. Hacke wohnten. Das Haus von Prof. Dr. Hacke wäre biologisch abbaubar, erklärte er uns, man könne es einfach aufessen. Aber noch eine Besonderheit hatte dieses Haus. Mit dem entsprechenden Applaus des Publikums konnte man das Licht davor an bzw. wieder aus schalten und wenn man entsprechend dabei toben, trampeln und ausrasten würde, gäbe es noch eine Überraschung. Das probierten wir natürlich sofort aus und schon begann das Licht zu blinken, auf dem Dach eine Apparatur zu drehen und im durchsichtigen Schornstein wirbelten Kugeln herum. Das wäre die Ziehung der Lottozahlen, wusste Sascha zu berichten.

Schließlich bemerkte er die leeren Plätze rechts und links in den vorderen Reihen und ermunterte das Publikum auf den hinteren Plätzen doch zum Wechsel auf die viel besseren vorderen Plätze. Als diese zögerten, sprang er kurzerhand von der Bühne in den Zuschauerraum um die Zuschauer direkt zu den Plätzen zu begleiten. Und plötzlich ging ein Run in olympischem Tempo von hinten auf die vorderen Plätze los. Vielleicht war meine Vermutung bezüglich der freien vorderen Plätze doch falsch und sie gehörten einfach mit zur Show. Nachdem er so sein Publikum in seinen Augen optimal verteilt hatte und wieder auf die Bühne klettern wollte, stand er nun vor der mehr als brusthohen Bühne. Hm… runter ging gut, aber wie wieder hoch? Ein beherzter Zuschauer kam ihm sofort zu Hilfe und machte „Räuberleiter“. Das war Dirk, den er von nun an in jeder seiner Darbietungen immer wieder freundlich ansprach. Wer vielleicht schon einmal ein anderes Programm von Sascha Grammel im Fernsehen gesehen hat, weiß, wovon ich schreibe.
Nun stellte Sascha fest, dass er ja schon viel zu viel geredet hätte und die Show ja nun zu spät beginnen würde und so setzte er sich eine Sonnenbrille auf, zog einen schwarzen Stab aus der Tasche und bat uns darauf zu schauen, es täte gar nicht weh. Im Stil von „Man in Black“ wurden wir „geblitzdingst“ und die Show begann.

Es möge mir verziehen werden, wenn ich hier bei der Reihenfolge eventuell etwas durcheinander bringe, aber ich war so begeistert von dem, was ich zu sehen bekam, dass ich jeden Moment genoss ohne auf den genauen Ablauf zu achten.

Auf jeden Fall begann die Vorstellung einer jeden Puppenfigur mit einem Videoeinblick in ihr Haus. Zuerst ging’s zu Frederic, der in seinem Haus von der Videokamera dabei überrascht wurde, wie er einer Puppe, die aussah wie Sascha Grammel, voodoomäßig ein paar Stricknadeln durch den Kopf stach. Huh, wie grausam. Und schon kam Sascha mit Frederic auf die Bühne, der wie Zorro mit einer Maske, einem Hut und einer Peitsche ausgestattet war. Frederic stellte sich schließlich mit einem spanisch klingenden kilometerlangen Namen vor. Und dann begann er sofort den Sascha auf die Schippe zu nehmen. Er lästerte über einen Lidstrich, nannte ihn Senhorita und machte Witze über sein Alter. Sascha hingegen nahm später dem Frederic Peitsche und Hut ab und stellte fest, dass Frederic mit seiner Maske bei Josie jetzt als Ninja Turtle gut ankommen würde. So wurden unsere Lachmuskeln wie erwartet sehr beansprucht.

Später erklärte uns Sascha wie er zum Bauchreden gekommen war, nämlich über ein Hörspiel. Aus dem Off war auch schon die Stimme des Hörspiellehrers zu hören, der Sascha in der Kunst des Bauchredens unterwies. Zuerst einmal müsse er immer lächeln. Ja das klappte schon gut. Dann müsse er einen Gegenstand haben, der sich als Puppe eigne. Sascha suchte und suchte, aber es fiel ihm nichts ein. Nun, unterwies ihn die Stimme, dann müsse er das Publikum erst einmal anderweitig bei Laune halten. Sascha versuchte es mit irischem Stepptanz und das machte er wirklich gut. Göttlich, der Mann ist wirklich vielseitig. Okay, meinte die Lehrstimme, aber trotzdem brauche er nun eine Puppe. Ah, da kam ihm eine Idee. Er zog sich augenscheinlich seine Socke aus und hatte ein quietschgelbes Exemplar mit einer orangefarbenen Spitze in der Hand. Nun brauche die Puppe auch Augen und Sascha steckte der Socke zwei kleine Kugeln auf. Je größer umso besser, verriet die Stimme und die Socke bekam zwei gefühlt tennisballgroße Kugeln aufgesteckt. Herrlich. Nun brauche die Puppe einen Namen und Sascha entschied sich für Rüdiger. Außer Rüdiger, legte die Stimme nach. Okay, dann heißt die Puppe eben Außer Rüdiger, legte Sascha spontan fest. Nun stellte er mit Außer Rüdiger die verschiedensten Emotionen nach und ich war sehr erstaunt und überaus belustigt wie viel man doch aus einer einfachen gelben Socke machen kann.

Der Auftritt von Josie begann wieder mit einem Video aus ihrem Haus. Josie saß vor einem Spiegel mit einer Trockenhaube auf dem Kopf. Nachdem die Haube ab war, kamen verschiedenen Frisuren zum Vorschein, aber am besten gefiel sich Josie doch ganz ohne Haare. Und dann kam Sascha mit Josie auf die Bühne und Josie trug ein Brautkleid. Sie erklärte, sie wolle es mit Frederic tun, aber am Ende stelle sich heraus, dass Josie gar nichts über das Heiraten wusste und mit Frederic Fallschirmspringen wollte. Sascha erklärte ihr daraufhin, was es mit dem Heiraten und der Liebe auf sich hat und Josie musste deprimiert feststellen, dass sie eigentlich gar keinen richtigen Freund zum Liebhaben hat. Selbst unter den tausenden Zuschauern, die wie ihr Sascha versicherte, nur wegen ihr gekommen waren, konnte sie keinen Freund finden, denn das waren doch alles nur Menschen, keine einzige Schildkröte dabei. Schließlich gab es aber doch ein Happy End und Sascha sang mit Josie ein herzergreifendes Duett, mit dem sie beide ihre Freundschaft besiegelten.

Nach der Pause wurden wir mit einem Video über das Leben im Weltall und die Landung eines Außerirdischen mitten in Berlin Spandau empfangen. Der Vorhang der Weltraumrakete öffnete sich und Sascha saß da mit dem Außerirdischen auf dem Schoss. Diese Puppe war mir neu. Na da bin ich aber gespannt. Zuerst versuchte Sascha über verschiedene Wörter Kontakt mit dem vierarmigen pinkfarbigen Außerirdischen im weißblauen Frotteeraumanzug aufzunehmen. Erst als er „Für dich solls rote Rosen regnen“ zu singen begann, stimmte der Außerirdische mit ein um Sascha hinterher zu bescheinigen, er hätte einen extravaganten Musikgeschmack. Man stellte sich gegenseitig vor und der Außerirdische, „Herr Schröder“, war nicht allein. In seinen zwei rechten Händen hielt er Ursula, eine schwammartige Kugel mit einem einzigen Zahn, die alle Gespräche mit „Exakt“ kommentierte, woraufhin sich Herr Schröder dann immer auf die eigene Brust klopfte, Grunzlaute von sich gab und der blaue Hals ganz lang wurde. Mir und sicher auch vielen anderen Zuschauern liefen die Lachtränen aus den Augen. Auf die Frage von Sascha, warum er denn diese seltsamen Geräusche mache, antwortete Herr Schröder, dass es sonst niesen müsse. Ja aber niesen wäre doch gar nicht schlimm. Als Herr Schröder jedoch nach dem nächsten „Exakt“ von Ursula tatsächlich nieste, explodierte das blaue Huhn zu seinen Füßen in tausend Federn. Man einigte sich darauf, dass Herr Schröder dann doch lieber auf das Niesen verzichten und weiter grunzen solle.

Zum Glück kam Sascha aber nach diesem Teil mit einem quicklebendigen blauen Huhn auf die Bühne und versicherte uns, die Explosion wäre nur ein Trick gewesen und dem Huhn gehe es wie man sehen könne sehr gut. Er fragte uns, ob wir die Geschichte des Huhnes in der normalen oder der albernen Version hören wollen. Wir entschieden uns natürlich für die alberne Version und er wies uns später mehrere Male darauf hin, dass wir das ja so gewollte hätten. Es folgte die Geschichte des Huhnes gespickt mit den verschiedensten Kalauern, zum Beispiel dass ein Ex-Freund des Huhnes aus Krähfeld und der jetzige Freund aus Hahnover kämen. Am Ende „sang“ das Huhn ein Lied aus einer klassischen Hühnerkomposition.

Sein akrobatisches Talent stellte Sascha ebenfalls unter Beweis, in dem er jonglierte, mit drei Bällen. Er erklärte uns, dass er daran, wie jemand drei Bälle jongliert, seinen Beruf ableiten könne und zeigte uns, wie verschiedene Berufsgruppen jeweils unterschiedlich jonglieren. Ja, der Mann ist wirklich sehr vielseitig. Sogar mit vier Bällen könne er jonglieren, wie er eindrucksvoll vorführte und gleichzeitig erklärte, das müsse er noch üben. Also ich fand das schon ziemlich perfekt.
Der Auftritt von Prof. Dr. Hacke begann wieder mit einem Video aus seinem Haus, das zeigte, wie er gerade zwischen Gläsern und wissenschaftlichen Apparaten unter einem Mikroskop das Wasser erfunden hatte. Auf der Bühne standen dann vor ihm vier verschieden Trinkflaschen mit Strohhalmen. Nach einem ausführlichen Gespräch und der Klärung einiger Missverständnisse, natürlich im Dienste der Wissenschaft, trank Sascha schließlich aus der ersten Flasche und sprach plötzlich mit der Stimme von Frederic. Der Genuss jedes weiteren Getränkes brachte ihm jeweils immer eine neue Stimme einer seiner Puppen. Am Ende sprach er mit der Stimme von Prof. Dr. Hacke zu diesem und auf die Frage:“Wie kommen wir aus der Nummer wieder raus?“, wusste er nur einen Antwort: „Keine Ahnung!“.

Damit gingen zweieinhalb kurzweilige Stunden mit arg strapazierten Lachmuskeln und Lachtränen in den Augen zu Ende, aber Sascha wurde nicht so einfach von der Bühne gelassen und kam nochmal mit einem Zaubertrick zurück. Dazu hatte Josie ihm ihre Spielzeugkiste aus Kindertagen, als sie erst 79 Jahre alt war, zur Verfügung gestellt und Sascha ließ mit Hilfe eines schwarzen Tuches den roten Spielzeugball schweben. Am Ende zauberte er eine Fontäne von tausenden Papierschnipseln hervor, die er schließlich ins Publikum rieseln ließ.
Ein strahlender Sascha Grammel bedankte sich bei einem nicht minder strahlenden Publikum und ein wirklich gelungener Abend ging zu Ende.

Dem gewohnten Verkehrschaos auf Schleichwegen entkommend setzten wir unseren Sohn an seiner Wohnung ab und machten uns auf den Heimweg, begleitet von für diese Uhrzeit ungewöhnlich viel Verkehr. Da haben mit Sicherheit mehrere Leute aus unserer Gegend die Gelegenheit genutzt einen schönen Abend mit Sascha Grammel in Magdeburg zu verbringen. Ob die ihre Karten auch schon 17 Monate liegen hatten? Ein Blick auf die vielen weiteren bereits ausverkauften Veranstaltungen seiner Tour lässt es vermuten.
Mit Fotos kann ich leider nicht dienen, da das Fotografieren wie immer auf solchen Veranstaltungen untersagt war.

- Uta -