Boppin' B in Müden/Aller (Kubus)

Freitag, 22. November 2013 - BiBi

Gerade mal eine Woche ist es her, seit ich Boppin‘ B in Oldenburg sehen konnte – und schon bin ich wieder auf der Autobahn. Ja, manchmal kann es schnell gehen und gut klappen.

Da meine Mutter so traurig war, dass ich sie nicht mit nach Oldenburg nehmen konnte, sie aber ihre liebste Band auch unbedingt mal wieder sehen wollte, hab ich alles dran gesetzt, das Konzert in Müden an der Aller bereisen zu können. Mit gemischten Gefühlen, zugegebenermaßen. Denn letztes Jahr um die Zeit waren wir auch in Müden und die Fahrt ist mir noch als echter Horror in Erinnerung…mein Navi kannte den Weg nicht – zwar die grobe Richtung, aber da waren viele neue Verbindungsstraßen, die ihm gänzlich unbekannt waren. So fuhr ich wirklich durch Fußgängerzonen und Feldwege, um in Müden immer noch ewig nach dem KUBUS suchen zu müssen.
Aber gute Vorbereitung ist ja alles und so hab ich mir in diesem Jahr im Vorfeld noch eine Anfahrtsbeschreibung ausgedruckt (da Medion für mein Navi einfach kein Update zur Verfügung stellen möchte). Da auch meine Schwester mal Zeit hat, kommt auch sie mit auf die Reise in die Provinz. Ich meine, ich lebe auch in einem ländlichen Idyll, aber eben auch nur 20 km von der großen Stadt entfernt. Aber auf dem Weg nach Müden ist ab Autobahnende bei Burgdorf nur noch Landschaft zu erwarten…trotz ausgedrucktem Plan verfranze ich mich ein wenig, aber mein Richtungssinn weist mir schon den richtigen Weg und so verlieren wir nicht viel Zeit und kommen zwanzig Minuten vor Öffnung des Clubs heil an. Leider merke ich, dass meine Blase auf keinen Fall mehr 20 Minuten warten möchte und so darf ich zum Glück schnell mal in den Laden, die sanitären Einrichtungen besuchen. Erleichtert zieht es mich dann wieder nach draußen und wir warten in der ungemütlichen Kälte vor der Tür, bis man sich erbarmt, uns hinein zu lassen. Aber gut, auch Kitty, die gute Seele von Boppin‘ B (Mercher, Roadie, Busfahrer etc.) muss erst um Hilfe telefonieren, da man ihm den Zutritt zum Club verwehrt. So kann es gehen.
Kaum sind wir in der netten Mehrzweckhalle, stürzt meine Mutter sich auch schon auf Kitty und fragt, ob er wohl da hinter der Bühne drei Stühle hervor reichen kann. So hatten wir es auch im Vorjahr gemacht, da uns die Barhocker allesamt zu hoch und ungemütlich sind. Da meine Schwester Bandscheibenprobleme hat, meine Mutter zwei künstliche Kniegelenke und ich nach einer langen Arbeitswoche auch nicht mehr gut auf den Beinen bin, sind wir Kitty super dankbar, dass er Mamas Wunsch sofort entspricht. Wir stellen unsere Stühlchen seitlich von der langen Bühne vor das DJ-Pult und nehmen Platz…zu meiner Freude hat die Vorband wohl abgesagt…gut so, nicht lange aufhalten. Die Band des Vorjahres ist mir noch im Ohr und die war nicht so meins.
Neben uns ist ein Tisch an die Wand gestellt, auf dem Flyer ausliegen – und drum herum drapieren sich junge Damen in vermeintlichen Retro-Klamotten…ah, hier soll Werbung für einen Shop gemacht werden, der diese Sachen vertreibt. Meine Schwester und ich machen uns einen Spaß draus, zu analysieren, was da nicht wirklich Fünfziger Jahre ist…Schuhe, die nicht zu Kleidern passen, Kleider, die eher Sechziger sind, Frisuren, die in die Siebziger gehören etc. Aber alles nur freundlich gemeint. Die Ladys selber machen mit sich selber Foto-Sessions, später auch mit einzelnen Band-Mitgliedern. Na klar, solche Gelegenheiten muss man ergreifen.
Die weitere Wartezeit bis zum Konzertbeginn, der sich etwas zieht, vertreiben wir uns mit kalten Getränken und netten Gesprächen mit anderen Fans. So richtig voll werden will es nicht, aber auch das ist hier nicht ungewöhnlich. Wobei sehr schade. Zumindest sind irgendwann alle Barhocker um die Stehtische besetzt und dann darf auch die Band mit ihrem ersten Set beginnen. *Just Rockin‘“ und „Rock Jungle“ stehen am Anfang. Leider fällt meiner Schwester und mir sofort auf, dass der Ton im KUBUS nicht der beste ist. Mehrzweckhalle ist halt nicht Konzerthalle und so kommt Sebastians Stimme unserer Meinung nach überhaupt nicht zur Geltung. Schade, schade. Aber soll dem Spaß noch keinen Abbruch tun. Wir stehen alle drei vor der Bühne, neben uns noch ein paar Fans – und dann kommt lange nichts mehr, denn der Rest des Publikums bewegt sich nicht wirklich von ihren Plätzen und Barhockern weg. Wie festgeleimt sind sie. Dabei gibt es so klasse Songs wie „Take me away“, „Ruby“, „Hot Rod Girl“, „Mercury“, „Good Golly Miss Molly“ oder „BimBam“ auf die Ohren. Die Band hat Spaß, das ist immer schön zu sehen. Das Publikum dagegen ist eher zäh, sehr zäh…Meine Mutter und Schwester verziehen sich nach einer Weile auf ihre Stühle, ich erst auch, aber ich tappse doch immer wieder vor zur Bühne.
Mit „The Bop won’t stop“ endet erst einmal das erste Set. Zeit für eine Zwischenbilanz…Publikum ist einfach nur GÄHN. Da war es in Oldenburg die Woche zuvor sehr viel euphorischer.
Die Pause ist aber auch schnell wieder vorbei und so geht es weiter mit Liedern wie „King of Bongo“, „Rockin Rollin Stone“, „Up jumped the devil“, „Are you gonna be my girl“, „If you believe“ oder „Enjoy the silence“. Besonders freu ich mich, von Golo mal wieder „Ubangi Stomp“ zu hören. Und dann folgt ein Experiment – anders kann ich das gar nicht nennen. „Runaround Sue“ – bei dem Publikum? Für mich natürlich großartig, ich liebe den Song noch immer und hab ihn ewig nicht mehr von den Aschaffenburgern gehört. Aber ich hab den halt auch schon miterlebt in Clubs, wo ich dachte, bei den Chören des Publikums hebt das Dach ab. Hier ist das leider nicht so, auch wenn die Müdener sich doch ein bisschen Mühe geben. Und noch ein Song, der wohl recht spontan ins Set gekommen ist, macht mich very happy… Das Dschungelbuch-Lied…früher mit Micha gabs das mit deutschem Text, aber Sebastian singt es in Englisch: „I wanna be like you“ – großartig und sicher eines meiner Highlights des Tages.
Da das Publikum nun nicht gerade euphorisch tobt (aber schon ordentlich applaudiert) gibt’s am Ende auch nur eine Zugabe – und hier wird ein Wunsch einer Zuschauerin erfüllt…was mich auch erfreut, denn somit findet „Mädcheninternat“ auch noch Gehör.
Bis auf den nicht so dollen Ton und das eher verhaltene Publikum ist es doch ein rundes Konzert gewesen und ich freue mich, das ich dabei war. Meine Mutter ist etwas verwirrt, wie es scheint…ich hatte ihr in der Pause erzählt, dass der Cosmo Klein Papa geworden ist (gerade Facebook gecheckt) und sie spricht fünf Minuten später Drummer Thomas drauf an und möchte ihm gratulieren *lach* - naja, mit 80 Jahren kann sowas wohl mal passieren.
So können wir nach dem Konzert noch ein klein wenig hier und da plaudern, aber mich zieht es dann auch in Richtung Heimat. Liegen ja noch 150 km und viel Landstraße dazwischen. Aber die Fahrt klappt reibungslos, keinerlei Verirrungen mehr und so kann ich Mutter und Schwester heil und gesund daheim abliefern und finde mich selber gegen 2 Uhr im heimischen Nest ein. Das war für mich dann auch das letzte Boppins-Konzert in 2013, aber ich hoffe, gleich im Januar 2014 geht es in Emden weiter.

-BiBi -
Fotos von Boppin‘ B in Müden